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»Guten Morgen Herr Graf «

Aufwachsen in eineralten Adelsfamilie
von Johannes zu Eltz vom 23.08.2023
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Ich bin ein Eltz« – als Kind hatte ich diese Vorstellung von mir selbst. Nach der Sprachregelung meiner Herkunftswelt war damit alles Wichtige gesagt. Mehr war nicht nötig, um Identität zu markieren und Zugehörigkeit in Anspruch zu nehmen. Das geht aber nur, wenn der Familienname sprechend ist, wenn er Assoziationen freisetzt. Dann ist er wie ein Passwort, das jede Menge Informationen erschließt: persönliche Verhältnisse, familiäre Besonderheiten, Verwandtschaftsbeziehungen, ständische Stellung, Besitz und wirtschaftliche Lage, geschichtliche Bedeutung, und beiläufig die Adelstitel, die im Laufe der Jahrhunderte den Namen verkrusten wie Muscheln einen Schiffsrumpf. Unsere Titel kannte ich natürlich und war heimlich stolz darauf. Andere mich damit anreden oder einem Dritten vorstellen zu lassen war in Ordnung. Sie für sich selber in Anspruch zu nehmen, sich damit in die Brust zu werfen, das ging überhaupt nicht. Hätten mich meine Leute sagen hören: »Ich bin ein Graf und Sohn von und zu Eltz-Kempenich genannt Faust von Stromberg«, sie wären in den Boden versunken vor Scham. Rufname und Nachname, das musste genügen. Ich hielt das damals für Bescheidenheit. In Wirklichkeit ist es subtiler Hochmut: Wer dazugehört, braucht es nicht zu hören; wer nicht dazugehört, braucht es nicht zu wissen.

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