»Guten Morgen Herr Graf «
Ich bin ein Eltz« – als Kind hatte ich diese Vorstellung von mir selbst. Nach der Sprachregelung meiner Herkunftswelt war damit alles Wichtige gesagt. Mehr war nicht nötig, um Identität zu markieren und Zugehörigkeit in Anspruch zu nehmen. Das geht aber nur, wenn der Familienname sprechend ist, wenn er Assoziationen freisetzt. Dann ist er wie ein Passwort, das jede Menge Informationen erschließt: persönliche Verhältnisse, familiäre Besonderheiten, Verwandtschaftsbeziehungen, ständische Stellung, Besitz und wirtschaftliche Lage, geschichtliche Bedeutung, und beiläufig die Adelstitel, die im Laufe der Jahrhunderte den Namen verkrusten wie Muscheln einen Schiffsrumpf. Unsere Titel kannte ich natürlich und war heimlich stolz darauf. Andere mich damit anreden oder einem Dritten vorstellen zu lassen war in Ordnung. Sie für sich selber in Anspruch zu nehmen, sich damit in die Brust zu werfen, das ging überhaupt nicht. Hätten mich meine Leute sagen hören: »Ich bin ein Graf und Sohn von und zu Eltz-Kempenich genannt Faust von Stromberg«, sie wären in den Boden versunken vor Scham. Rufname und Nachname, das musste genügen. Ich hielt das damals für Bescheidenheit. In Wirklichkeit ist es subtiler Hochmut: Wer dazugehört, braucht es nicht zu hören; wer nicht dazugehört, braucht es nicht zu wissen.
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Johannes zu Eltz promovierte zunächst in Rechtswissenschaft und schloss dann ein Theologiestudium an. Er gehört zum Limburger Domkapitel und ist seit 2010 Stadtdekan von Frankfurt am Main. Er entstammt dem seit mehr als 800 Jahren nachweisbaren Adelsgeschlecht Eltz und wuchs als eines von neun Kindern von Jakob Graf zu Eltz und dessen Ehefrau Ladislaja, geborene Freiin Mayr von Melnhof, auf einem Weingut im Rheingau auf.

