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Du bist, was du trägst

Ein Trip durch Berliner Subkulturen
von Thaddeus Herrmann vom 23.08.2023
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Sonntagnachmittags ist am Berliner Ostbahnhof nicht viel los. Der Supermarkt im Untergeschoss ist offen und natürlich voll, davon abgesehen liegt über diesem Teil des Bezirks Friedrichshain aber wochenendliche Ruhe. Schräg rüber vom ehemaligen Verlagshaus des »Neuen Deutschland« steht inmitten einer unwirtlichen Mischung aus Plattenbauten und kaum hergerichteter Industriebrache ein ehemaliges Fernheizwerk – erbaut in den 1950er-Jahren. Sozialistisch-klassizistisch, natürlich denkmalgeschützt. Hier ist das Wochenende noch längst nicht vorbei. Für die mehreren hundert Menschen in der Schlange beginnt es tatsächlich erst. Denn wo früher Wärme erzeugt wurde, wird seit Ende 2004 getanzt – bis zu 72 Stunden am Stück. Hier befindet sich der berühmteste Technoclub der Welt, das Berghain. Dresscode: schwarz. Knappe Tops, enge Hosen, schwere Boots: Die wartenden Raver und Raverinnen kennen nur eine Farbe. Und ganz in Schwarz funktioniert das, was im Berghain gelebt wird, offenbar besonders gut. Der Club steht für endlose Ekstase, Freiheit, Unabhängigkeit – mit allem, was dazugehört. Ausziehen? Bitte. Sex haben auf dem Dancefloor? Kein Problem. Einfach nur wippen und zuhören? Auch total ok. Hier können Menschen sein, wie sie sein wollen. Die Kameras der Smartphones werden von den Türstehern und Türsteherinnen abgeklebt. Wer gegen das Fotoverbot verstößt, fliegt raus und kommt nicht wieder. Doch um für eine Nacht, einen Abend oder Nachmittag Teil davon werden zu können, muss man erst mal reinkommen. Also ziehen sich alle entsprechend an. Aber warum eigentlich?

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Schlagwörter: Berlin Identität Mode
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