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Höchst nervenaufreibend

Ingrid Andresen-Dannhauer ist erschüttert über die vielen Unsinnigkeiten und Hürden in der Flüchtlingspolitik
von Ulrike Plautz vom 19.07.2023
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Wir schaffen das!« Dieser Aufruf von Angela Merkel, damals im August 2015, hatte sie sofort gepackt. Als die Zahl der Geflüchteten immer weiter stieg, hatte Ingrid Andresen-Dannhauer es als Aufforderung an die Zivilgesellschaft verstanden: »Es ging darum, die Komfortzone zu verlassen und etwas zu tun.« Die Ärztin und Psychotherapeutin informierte sich umgehend in ihrem Stadtteil, welche Hilfe wann und wo gebraucht würde. In ihrer Nachbarschaft waren für Geflüchtete Notunterkünfte in zwei großen Tennishallen errichtet worden. Dort begann sie ehrenamtlich zweimal pro Woche Deutsch zu unterrichten. Schon bald kristallisierte sich eine kleine Gruppe von sieben jungen Männern aus Afghanistan heraus. »Das waren engagierte, hoch motivierte Menschen, die in ihren Heimatländern zum Teil bereits studiert hatten.« Zur Gruppe gehörte auch ein junger Mann aus Afghanistan, der erst 16 war. »Sein Alter war von Behörden hochgestuft worden. So musste er nicht nur um die Anerkennung der Minderjährigkeit kämpfen, auch sonst hatte er es aufgrund seines Alters schwerer als die anderen.« Zusammen mit ihrem Mann beschloss sie, Omid (der Name wurde von der Redaktion geändert) bei sich zu Hause aufzunehmen, dort gab es eine Einliegerwohnung, die früher als Praxis gedient hatte. Omid wohnt dort bis heute. Die Unterstützung der Geflüchteten und insbesondere die Begleitung von Omid waren für sie selbstverständlich. »Wenn Menschen in Not sind, will ich dazu beitragen, sie auf den Weg zu bringen«, sagt die 73-Jährige. Diese Einstellung gehöre einfach zu ihrem Arbeitsethos. In dieser Zeit habe sie zahlreiche Erfahrungen machen dürfen, die sie nie mehr missen möchte. Allerdings gab es auch Erlebnisse, auf die sie und alle Beteiligten wirklich gern verzichtet hätten. Wie zum Beispiel diese »höchst nervenaufreibenden, scheinbar nicht enden wollenden« Auseinandersetzungen mit Behörden und Gerichten. Als es bei Omid um die behördliche Anerkennung seiner Minderjährigkeit ging, wurde die Geburtsurkunde nicht anerkannt, »weil sie handgeschrieben war«. Daneben begleitete die engagierte Ärztin noch die Asylverfahren der anderen sechs Geflüchteten aus »ihrem Sprachkurs«, zu denen sie bis heute Verbindung hat. Das bedeutete damals: Die Geflüchteten mussten auf die Anhörung vorbereitet werden, gute Anwälte mussten gefunden und Klagen eingereicht werden. Sie habe dabei Dinge erlebt, die ihren Glauben an den Rechtsstaat erschüttert hätten: Das begann zum Teil bereits mit Dolmetschern, die fehlerhaft übersetzt hätten und Informationen zuungunsten der Geflüchteten vermittelt hätten. Einige der Anhörenden waren unqualifiziert, verweigerten in einem Fall sogar die Annahme von Beweismitteln. Die ablehnenden Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge offenbarten, dass Beweismittel oft nicht berücksichtigt beziehungsweise nicht übersetzt und qualifizierte ärztliche Stellungnahmen »vom Tisch gewischt« wurden. Als Ärztin schrieb sie auch gutachterliche Stellungnahmen fürs Gericht. Sie ist heute noch erschüttert über die vielen Unsinnigkeiten und Hürden in der Flüchtlingspolitik. »Ich bin entsetzt, dass wir als Ehrenamtliche wie Widerstandskämpfer im eigenen Land Geflüchtete oft mit List und Tücke vor dem formalen Wahnsinn und politischen Unsinn schützen müssen.« Dieser Satz, den ein ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer 2018 in der Süddeutschen Zeitung formuliert hat, bringt es für sie genau auf den Punkt. Trotz allem hat sie gemeinsam mit den Geflüchteten erreicht, dass alle die ihnen zustehende Anerkennung bekommen haben.

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