Glaubwürdig …
GlauBe, Liebe, HoffnuNG
Musik ist mein Leben und meine authentische Ausdrucksform, zwischen Gospel, Soul und Jazz. Manchmal sogar Pop. Dabei gibt es für mich kein Richtig oder Falsch. Es muss sich einfach gut für mich anfühlen. So etwas wie eine Karriereplanung habe ich nie gemacht. Für eine kurze Zeit hatte ich mal einen Plattenvertrag, aber dieses Korsett ist mir schnell zu eng geworden. Da wurde sogar bestimmt, was ich anzuziehen hatte. Ähnlich erging es mir mit meiner Gesangsausbildung. Auch das habe ich nicht lange durchgehalten. Ich brauche die totale Freiheit. Manchmal habe ich beim Joggen oder beim Salatpflanzen eine Textzeile im Kopf, und die Melodie kommt später. Für mich kann alles, was ich erlebe, was ich sehe oder fühle, in einem Lied enden. Mein Lied »Signs of love« entstand zum Beispiel im Krankenhaus, als mein Partner schwer erkrankt war. Ich bin ein intuitiver Mensch und höre meiner inneren Stimme sehr genau zu. Wie schön wäre es, wenn wir das alle tun würden: zuhören! Anderen, aber auch sich selbst. Gerne singe ich auch Traditionals, etwa »Joshua fought the Battle of Jericho« oder »Amazing Grace«. Das sind alte Lieder aus der Sklavenzeit, die ihre unbändige Kraft und Power bis heute nicht verloren haben. In diesen Liedern spiegelt sich auch meine eigene Persönlichkeit: demütig, dankbar, liebend und glaubend. Auch wenn ich eine zweifelnde Gläubige bin. Ich habe gesehen, was im Namen von Religion Schlimmes in der Welt geschehen ist und immer noch geschieht. Mir ist Nächstenliebe ein hohes Gut. Etwas, das mir mein Vater hinterlassen hat. Aber das war nicht das einzige Erbe. Von ihm habe ich auch meine Lebenslust, die Freude am eigenen Tun, ein großes Maß an Stärke und Gottvertrauen, mein Gefühl für Rhythmus – und mein Körperbewusstsein. Bis heute gehe ich am liebsten barfuß auf die Bühne, weil der Boden mir den Kontakt zu Mutter Erde gibt. Dann spüre ich mich selbst und meine Stimme am besten. Der Boden erdet mich und lässt mich meine Wurzeln spüren. Vielleicht sind meine Konzerte meine ganz eigene Art, Gottesdienste zu feiern, auch wenn ich mich an die meines Vaters gerne erinnere. Seine waren laut, sie waren bunt, sie waren lebendig. Sogar getrommelt wurde, wenn mein Vater Gottesdienst feierte – oder geklatscht. Sehr zum Befremden der deutschen Gottesdienstbesucher.
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Siyou Isabelle Ngnoubamdjum, Jahrgang 1968, ist Sängerin, Musikerin, Moderatorin von Musikfestivals und Chorleiterin. Die Mutter eines Sohnes und Großmutter eines Enkelkindes leitet Gospelworkshops und ist seit diesem Jahr auch Patin für »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. Geboren wurde sie in Kamerun, dort war ihre deutsche Mutter Kinderkrankenschwester. Ihr Vater, ein Kameruner Theologe, arbeitete als Pfarrer für Mission und Ökumene in Deutschland. Sie hat sieben Geschwister. Siyou Isabelle Ngnoubamdjum lebt mit ihrem Partner Hellmut Hattler, mit dem sie auch das Duo »Siyou’n’Hell« (Bass & Stimme) bildet, in der Nähe von Ulm. Siyou bedeutete übersetzt »Gott hat gehört«. Ihre aktuelle CD heißt »Signs of Love«. Nähere Infos: www.siyou.de

