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Liebe L eserinnen, liebe Leser,

vom 18.02.2025
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Menschen sind Anfänger. Nicht nur als Kinder. Zeitlebens müssen sie immer wieder neu laufen lernen, durch die Herausforderungen, die die Zeit, die Umstände, das Älterwerden mit sich bringen. Wenn man das einmal bemerkt hat, entdeckt man überall Anfänge, Aufbrüche, Abschied und Neubeginn. Als wäre das ein Grundmuster der Lebendigkeit, des Wachsens. Ich finde es überzeugend, dass die Philosophin Hannah Arendt sagt: Nicht die Sterblichkeit, die Gebürtlichkeit macht den Menschen aus. Mit jeder neuen Geburt kommen unendliche Möglichkeiten mit auf die Welt. Sie wollen entdeckt und begonnen werden. Meist bemerken wir es erst in Krisen oder Umbruchsituationen, dass Neuanfänge auch Abschiede mit sich bringen. Dass Geburtswehen schmerzen können. Im Zen wird eine Haltung eingeübt, die Anfängergeist heißt: Das Nur-Eigene loslassen können und sich stattdessen mit dem Universum verbinden, das sind Grundübungen des spirituellen Lebens. Allerdings nicht nur in östlichen Traditionen. »Werdet Vorübergehende!«, sagt Jesus in einem Evangelium, das erst Mitte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde, im Thomasevangelium. Viele meinen, sehr Ursprüngliches von Jesus darin erkennen zu können. Jesus sagt auch: »Selig sind die Anfänger!« Das gilt nicht nur für das eigene
Leben, das gilt auch für gesellschaftliche Herausforderungen. Wenn immer mehr Kirchen verkauft werden müssen, können daraus trotzdem neue Chancen wachsen – und vielleicht sogar neue spirituelle Erfahrungen gemacht werden. Wenn es den Beruf Fischer wegen Überfischung der Meere und dem Klimawandel bald nicht mehr geben kann, könnte man doch mit dem ganz neuen Beruf eines Meeresförsters die Meere hüten! Habe Mut, etwas Neues zu beginnen. Man muss nur die Augen öffnen, dann kann man überall die Kraft des Anfangs wahrnehmen. Ich mag das Gedicht »Stufen« von Hermann Hesse deshalb sehr. »Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten«, heißt es darin, »an keinem wie an einer Heimat hängen.« Bereit sein zum Neubeginn. Diese Aufforderung gilt sogar noch am Ende des Lebens. Wie aber geht das? Antworten, die wir auch in diesem EXTRA suchen, erhalten wir vielleicht erst beim Gehen, beim Ausprobieren, indem wir aufbrechen, mit dem Mut zum Neubeginn.

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