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Zwiegespräch mit Gott über Corona und Liebe

vom 23.01.2021
von Hans-Joachim Schemel, München

Ich: Geht’s noch? Wie konntest Du nur! Bist Du nicht eindeutig zu weit gegangen, als Du uns Menschen dieses verdammte Virus geschickt hast?

Gott: Ich verbitte mir Kraftausdrücke wie »verdammt«! Ein bisschen Respekt vor Deinem Gott ist doch wohl nicht zu viel verlangt.

Ich: Bitte kein Ausweichmanöver! Es geht hier nicht um Dich. Es geht um Deine Schöpfung.

Gott: Willst Du Dich mit der ganzen Schöpfung gleichsetzen? Du bist nur ein kleiner Teil davon. Vergiss das bitte nicht.

Ich: O.K. Aber auch wir Menschen haben doch berechtigte Ansprüche ans Leben.

Gott: Vergiss Deine Mitgeschöpfe nicht. Sie haben ganz andere Interessen als die Menschen. Auch das Virus gehört zur Schöpfung. Will auch leben. Oder etwa nicht?

Ich: Diese Bemerkung ist mir zu spitzfindig. Ich und alle anderen Menschen sind der festen Überzeugung, mehr Lebensrecht zu haben als Tiere oder auch das Virus.

Gott: Wenn ihr davon überzeugt seid, will ich euch das nicht ausreden. Die Meinungsfreiheit schätzte ich hoch, wie Du weißt. Obwohl mir die vielen Meinungen über mich schon lange auf den Wecker gehen.

Ich: Wir kommen vom Thema ab. Hiermit protestiere ich dagegen, dass Du uns ein Virus auf den Hals gehetzt hast, der vielen von uns den Tod bringt und vielen anderen eine Menge Angst macht.

Gott: Ich verstehe, dass euch das nicht gefällt. Aber versetz Dich doch auch mal in meine Lage! Soll ich jedes Mal einschreiten, wenn ihr euch vom Tod bedroht fühlt? Wenn Du wüsstest, was ich alles zu tun habe, würdest Du mit mir weniger vorwurfsvoll reden. Ich kann mich nicht um alles kümmern.

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Ich: Du machst auf mich den Eindruck, dass Du Dich von unserem Leid nicht betroffen fühlst. Liebst Du uns überhaupt noch?

Gott: Du fragst ja ziemlich direkt. Eigentlich mag ich solche Fragen nicht. Was ist schon Liebe? Jeder versteht etwas anderes darunter.

Ich: Entschuldige mal! Ich will jetzt nicht über Liebe diskutieren, sondern mich darüber beschweren, dass Du uns das Virus geschickt hast.

Gott: Ich wollte nicht diskutieren, sondern zu bedenken geben: Du kannst nicht wissen, was ich mit dem Virus bezwecke. Ich mache jetzt mal nur eine Andeutung, damit Du Ruhe gibst. Ihr habt doch ein gutes Sprichwort: Gäbe es das Dunkle nicht, würde man das Helle nicht sehen. Ich habe nur sinngemäß zitiert. In dieser Richtung liegt eine der Lösungen des Rätsels. Lieber wäre mir gewesen, wenn Du Dich damit abgefunden hättest, dass es Fragen ohne Antwort gibt.

Ich: Diese Antwort befriedigt mich nicht. Ohne Virus wäre das Leben Deiner Kinder schöner. Willst Du das bestreiten?

Gott: Ich bin mir da nicht so sicher wie Du. Nur mal ein Argument unter vielen: Ihr streitet doch ständig untereinander, verhängt Wirtschaftssanktionen und führt Kriege. Mit dem Virus habe ich euch nun einen Feind geschickt, über den ihr Menschen euch endlich mal darüber einig seid, dass er euer gemeinsamer Feind ist. Ich habe noch Tausende Gebete im Ohr, die auf die Bitte hinausliefen, dass alle Regierungen der Welt doch mal an einem Strang ziehen sollen. Hier habt ihr die Gelegenheit dazu. Wenn ich in dieser Angelegenheit noch mehr für euch tun würde, wäre das doch Bevormundung. Ich lasse euch die Freiheit, die euch als »Menschen mit Würde« auszeichnet.

Ich: Sorry. Deine letzten Worte habe ich nicht gehört. Ich wurde abgelenkt. Meine Frau hat mich gerufen. Ich muss unser Gespräch abbrechen. Meine Frau braucht mich, ich kann sie jetzt doch nicht warten lassen!

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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