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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
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Zeugen der Wahrheit

von Heribert Prantl vom 23.07.2016
Was hat der Jakobusbrief mit Demokratie zu tun? Und was verbindet Theologen und Journalisten? Einiges, meint der Journalist Heribert Prantl
Heribert Prantl hat als Mensch und Journalist ein Faible für die Theologie. Warum? Das erzählt er in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum. (Foto: Malik)
Heribert Prantl hat als Mensch und Journalist ein Faible für die Theologie. Warum? Das erzählt er in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum. (Foto: Malik)

Martin Luther ist der wirkkräftigste Journalist, den es je in Deutschland gegeben hat. Er war ein Publizist von einer Wirkkraft, die alle anderen klugen Wirkkräftigen blass dastehen lässt, Karl Marx ausgenommen. Luther hat die Bibel in eine Sprache übersetzt, die es vorher nicht gab; er hat diese Sprache geschaffen. Luther hätte es also verdient, zum Schutzpatron der Journalisten ausgerufen zu werden – aber da steht ihm seine Lehre, wonach es nur einen himmlischen Fürbitter geben könne, nämlich Christus, im Wege.

Im Stadium fortgeschrittener Ökumene könnte diese Ausrufung freilich die katholische Kirche unternehmen. Dort gibt es allerdings schon seit 93 Jahren einen journalistischen Schutzpatron: Franz von Sales. Er lebte im 16. Jahrhundert, war Bischof von Genf und erhielt 1564 den Auftrag, die Menschen wieder für den katholischen Glauben zu gewinnen, sie waren zum Calvinismus übergetreten. Als die politischen Machthaber davon erfuhren, verboten sie der Bevölkerung bei Strafe, dessen Predigten zu hören.

Franz von Sales druckte also seine Predigten auf Flugblätter, heftete sie an Bäume, Tore und Türen. Und hatte Erfolg damit. Dieser Erfolg beruhte nicht allein auf dem gerade modern gewordenen Medium Flugblatt, sondern auch darauf, dass er die richtigen Worte fand: Erstens übernahm er nicht den damals üblichen polemischen Stil; zweitens war seine Recherche über den Calvinismus präzise; und drittens verfasste er seine Texte in der Landessprache, was in der vom Latein beherrschten katholischen Kirche sensationell war.

Wie der Reformator Martin Luther verfügte auch der Gegenreformator Franz von Sales über erhebliche Sprachmacht, um Gehör und Glauben zu finden Und jeder nahm für

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