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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Würde Luther heute twittern?

von Michael Schrom vom 22.07.2016

Die Verleihung der theologischen Ehrendoktorwürde an den Journalisten und Juristen Heribert Prantl (vgl. seine Dankesrede oben) bildete den Höhepunkt der Feierlichkeiten zum fünfzigjährigen Bestehen des Lehrstuhls für »Christliche Publizistik« an der Universität Erlangen. Ursprünglich gegründet, um Theologiestudierende mit den Eigengesetzlichkeiten der Medien vertraut zu machen und sie zu befähigen, über die Reichweite von Fachzeitschriften hinaus christliche Themen zu erörtern, steht man heute vor völlig neuen Fragen. Von sieben Millionen Lesern, die die evangelische Kirche 1966 noch über ihre Printprodukte erreichen konnte, ist nur ein Bruchteil übrig geblieben. Es gilt, die binnenkirchliche Milieuverengung zu durchbrechen und neue Formen kirchlicher Vergemeinschaftung zu suchen. Aber wie? Darüber wurde bei der Jubiläumstagung leidenschaftlich diskutiert. Soll man sich eher als religiöser Subunternehmer und Dienstleister verstehen, der mit zum Teil hoch subventionierten Produkten wie etwa dem Gratis-Magazin Chrismon, der evangelischen Presseagentur epd oder Filmproduktionsgesellschaften auf indirekte Weise ein Massenpublikum an evangelische Themen heranführen möchte?

Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerkes der evangelischen Publizistik, rechtfertigte diese Position anhand des jüngsten Berliner »Tatorts«, der von Eikon-Film produziert wurde, einer Firma, deren Gesellschafter verschiedene Landeskirchen und evangelische Werke sind. Dazu passte inhaltlich der Vortrag des Erlanger Theologen Hans Jürgen Luibl, der Religion als Unterhaltung skizzierte, wobei er diesen Begriff freilich sehr differenziert und weit fasste.

Oder soll die evangelische Kirche angesichts der Chancen und Gefahren des Internets viel stärker in Medienethik und Medienpädagogik investieren, wie es der Greifswalder Theologe Roland Rosenstock vehement einforderte? Auch er brachte gute Gründe vor: Wenn neunzig Prozent aller Jugendlichen ein Smartphone haben und die Gruppe der 14- bis 20-Jährigen täglich neuneinhalb Stunden das Internet nutzt, während die tägliche Nutzungsdauer einer Zeitung auf durchschnittlich neun Minuten gesunken ist, kann man sich vorstellen, welche Bedeutung virtuelle Peergroups für die Sozialisation junger Menschen haben.

Doch die Internet-Ästhetik fun

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