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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2020
Mission impossible
Kolonialismus und Rassismus in christlichem Gewand
Der Inhalt:

Verrät der Vatikan Chinas Katholiken?

von Martin Schirmers vom 21.06.2020
Die Vereinbarung zwischen China und dem Vatikan fördert nicht die Rechte der Gläubigen, sondern ihre Unterwerfung
Fauler Friede? Papst Franziskus mit chinesischen Gläubigen in Rom (Foto: pa/Pressefoto Ulmer)
Fauler Friede? Papst Franziskus mit chinesischen Gläubigen in Rom (Foto: pa/Pressefoto Ulmer)

Im September 2018 unterzeichneten der Vatikan und Peking eine »vorläufige Vereinbarung«, die, obwohl ihr genauer Wortlaut bis heute unveröffentlicht ist, von Anfang an heftigen Widerspruch hervorgerufen hat. Was die einen als Entspannungspolitik würdigen, erscheint den anderen als Verrat. Der langjährige und hoch angesehene Kardinal von Hongkong, Joseph Zen Ze-kuin, warf dem Vatikan den »Ausverkauf der Kirche in China« vor, Lao Yiwu, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, nannte Franziskus deswegen »den schlechtesten Papst der Geschichte«.

Seit Gründung der Volksrepublik ist die katholische Kirche immer wieder staatlichen Verfolgungen ausgesetzt. Peking sah im Vatikan stets eine fremde Macht und akzeptierte nur die »Patriotische Vereinigung« als katholische Kirche. Diese lässt sich vom Staat kontrollieren und weiht Bischöfe ohne Zustimmung Roms. Daneben gibt es eine Untergrundkirche, die Rom stets die Treue gehalten hat und bereit war, härteste Sanktionen in Kauf zu nehmen.

Die Vereinbarung will den Graben zwischen der Patriotischen Vereinigung und der Untergrundkirche in China überwinden. Der Vatikan hat angekündigt, sie in diesem Jahr zu überprüfen – und das scheint dringend erforderlich.

Pater Jeroom Heyndrickx, Professor an der Katholischen Universität Leuven in Belgien, ist eigentlich ein Verteidiger der Vereinbarung. Beim katholischen China-Kolloquium in Siegburg sprach er von einem historischen Meilenstein. Nach einer über hundert Jahre langen Geschichte aus Missverständnissen und Provokationen gebe es nun die Hoffnung auf eine konstruktive Zukunft. Heyndrickx sieht aber auch, dass die Patriotische Vereinigung weiterbesteht und einen Zugewinn an Macht erlebt. Er

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