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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Und Gott sprach: Es lebe die Vielfalt

von Markus Dobstadt vom 23.03.2015
Milieustudien haben gezeigt, wie zersplittert die deutsche Gesellschaft ist. Diese Tatsache müssen auch die Kirchen beachten, wenn sie die Menschen noch erreichen wollen. Katholiken und Protestanten haben sich mit neuen Projekten auf den Weg gemacht
Wie groß die Vielfalt an Lebensstilen ist, das hat die Milieuforschung gezeigt. Studien haben belegt, dass die Kirchen nur noch einen kleinen Teil der Menschen erreichen. Lässt sich das ändern? Darüber gehen die Meinungen in den Kirchen auseinander (Foto: Julien Eichinger/Fotolia)
Wie groß die Vielfalt an Lebensstilen ist, das hat die Milieuforschung gezeigt. Studien haben belegt, dass die Kirchen nur noch einen kleinen Teil der Menschen erreichen. Lässt sich das ändern? Darüber gehen die Meinungen in den Kirchen auseinander (Foto: Julien Eichinger/Fotolia)

Der Kirchenbau der katholischen Gemeinde Heilige Familie in Troisdorf bei Bonn war in die Jahre gekommen. Für die Gemeinde stellte sich daher 2006 die Frage: Abriss oder Renovierung? Einigen konnte man sich zunächst nicht. Erst die Beschäftigung mit den Sinus-Milieus führte weiter. Eine genauere Analyse zeigte, dass die Gemeinde bislang Angebote vor allem für die traditionell-konservativen Milieus machte, doch in der Nachbarschaft viele sozial benachteiligte Menschen aus dem prekären Milieu wohnten. »Die Gemeinde erkannte, dass sie an den Menschen vorbeilebte«, erzählt Bernhard Wunder, Pastoral- und Gemeindeentwickler im Bistum Köln. Und fragte sich nun: »Was können wir für die Bedürftigen tun?«

In der Folge sanierte man die Kirche und entwickelte die Idee, dort ein Schulfrühstück für Kinder anzubieten. Zweimal im Monat lädt die Gemeinde die Kinder nun vor dem Schulgottesdienst dorthin ein. Die ehrenamtliche Mehrarbeit war kein Problem. »Es haben sich Leute zur Mitarbeit gemeldet, die man zuvor gar nicht kannte«, sagt Wunder. Die Stadt wurde auf die Situation der Kinder aufmerksam, die Grundschule meldete sich. Die Gemeinde erfährt eine andere Wertschätzung – und plötzlich merkte sie: »Wir sind nicht nur für uns selbst da«, berichtet Wunder. Das Beispiel zeigt, welchen Bewusstseinswandel eine Beschäftigung mit den Sinus-Milieustudien bewirken kann.

Acht Millionen Kirchenaustritte seit der Wiedervereinigung

Vor mehr als zehn Jahren begannen Protestanten und Katholiken damit, nach neuen Wegen zu suchen, um die Menschen für ihre Überzeugungen zu gewinnen. Gründe dafür gab es genug. Seit Jahrzehnten verlieren die Kirch

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