Tebartz-van Elst: Gold im Gürtel
Der Limburger Bischof kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Seit Franz-Peter Tebartz-van Elst 2008 den Bischofsstab des beliebten Franz Kamphaus übernahm, produziert er pausenlos öffentliche Aufreger. Menschen wie Medien kritisieren seine erzklerikale Amtsauffassung, seine einsamen Entscheidungen, seine Neigung zu liturgischem Pomp und kirchlichen Ehrentiteln. Während die Gemeinden immer mehr knapsen müssen, baut ihr Bischof auf dem Limburger Domberg für mehr als fünf Millionen Euro eine neue Residenz mit Empfangsräumen, Wandelpark, Bibliothek und überdimensionierter Privatkapelle. Für weitere Schlagzeilen sorgte jetzt ein Flug zu kirchlichen Sozialprojekten in Indien, den Tebartz und sein Generalvikar Franz Kaspar nicht wie einfache Touristen oder Geschäftsleute, sondern in der Luxusklasse zurücklegten: »First Class in die Slums«, titelte Der Spiegel.
Die Kritik am Limburger Bischof ist ein Symptom für etwas anderes
Der 52-jährige Tebartz, der sich gern auch mal mit lila Schärpe und schwerem Goldkreuz am Steuer eines BMW-Cabrios fotografieren lässt, bietet zweifellos ein gefundenes Fressen für die kirchenkritische Presse, die sich genüsslich auf ihn eingeschossen hat. Das Problem reicht aber weit über die Merkwürdigkeiten eines einzelnen Ortsbischofs hinaus. Der Fall Tebartz wirft eine grundsätzliche Frage auf, die der deutsche Episkopat nach dem Verfall der Volkskirche dringend klären muss. Die Frage lautet: »Wer sind wir eigentlich?«
Sind unsere Bischöfe die Gebietsmanager einer global agierenden Firma mit Zentrale in Rom? Dann dürfen sie natürlich Luxusklasse fliegen. Sehen sie sich als klerikale Ministerpräsidenten, die ein kirchliches Territorium regieren? Da steht ihnen selbstverständlich eine feudale Residenz zu. Oder sind sie Jünger Jesu, des Wanderpredigers aus Nazareth, der den Armen die gute Nachricht verkündet? In diesem Fall müssten auch sie ein anspruchsloses Leben führen, nach seiner Weisung: »Nehmet weder Gold noch Silber noch Erz in eure Gürtel, keine Tasche auf den Weg, auch nicht zwei Röcke, weder Schuhe noch Stab.«
Wie diese biblische Weisung in der modernen Welt gelebt werden kann, haben bereits die Bischöfe beschrieben, die sich während des Konzils beim »Katakombenpakt« zusammenfanden. Sie verpflichteten sich, »so zu leben, wie die Menschen um uns her üblicherweise leben, im Hinblick auf Wohnung, Essen, Verkehrsmittel« und verzichteten »ein für alle mal darauf, als Reiche zu erscheinen wie auch wirklich reich zu sein, insbesondere in unserer Amtskleidung (teure Stoffe, auffallende Farben) ...« sowie auf Immobilien, Mobiliar und Wertpapiere.
Auch die evangelischen Bischöfe haben ein Problem
Ein ähnlich vergessenes Konzept gibt es auch für die evangelische Kirche – deren Vertreter zwar selten pompös, aber durchgehend in sattbürgerlicher Gediegenheit daherkommen. Der Magdeburger Bischof Werner Krusche und der Erfurter Probst Heino Falcke stellten in der DDR das Konzept einer machtlosen »Kirche für alle« dagegen, nach dem programmatischen Satz von Dietrich Bonhoeffer: »Eine Kirche muss ohne Macht und Privilegien sein, wenn sie nah bei den Menschen sein will.«
Die Kinder des Kapitalismus hungern nach einem Antiprogramm
Es ist durchaus nicht so, dass die christliche Botschaft in dieser Welt nicht mehr ankommt. Die verlorenen Kinder des Kapitalismus hungern geradezu nach einem revolutionären Antiprogramm, nach Gemeinschaft und Liebe. Die Botschaft der Christen aber wird heute immer mehr daran gemessen, wie sie selber danach leben und wie glaubwürdig ihre Repräsentanten sie verkörpern. Der Weg des Katakombenpakts und des Dietrich Bonhoeffer wären ein Befreiungsschlag – die sichtbare Umkehr der verfetteten deutschen Kirchen.
Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich hingegen bereits für die andere Alternative entschieden: Nach all den Schlagzeilen verzichtet er nicht auf Privilegien, sondern engagiert einen prominenten PR-Berater: Dirk Metz hat bereits andere angeschlagene Territorial-Fürsten wie ihn beraten, nämlich Roland Koch und Stefan Mappus.
