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»Wir wollen Unruhe stiften«

Günther Jauch, Frank-Walter Steinmeier und Annette Schavan haben unterschrieben. »Ökumene jetzt!«, fordern sie zusammen mit 20 weiteren prominenten Unterzeichnern einer bundesweiten Initiative. Warum? Fragen an den Leipziger Theologen Christian Führer
von Britta Baas vom 05.09.2012
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Christian Führer, einer von 23 Erstunterzeichnern der heute in Berlin vorgestellen Initiative »Ökumene jetzt«, sagt: »Von allem theologischen Geschwafel bleibt nur eines übrig: die Machtfrage.« (Foto: pa/Endig)
Christian Führer, einer von 23 Erstunterzeichnern der heute in Berlin vorgestellen Initiative »Ökumene jetzt«, sagt: »Von allem theologischen Geschwafel bleibt nur eines übrig: die Machtfrage.« (Foto: pa/Endig)

Herr Führer, schon wieder eine Ökumene-Initiative! Sie sind einer von 23 prominenten Erstunterzeichnern des September-Aufrufs »Ökumene jetzt«. Was unterscheidet diesen Aufruf von allen, die vorher waren?

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Christian Führer:Uns geht es darum, dass engagierte Christen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport, Kultur und Kirchen die Forderung nach Ökumene aufstellen – im Blick auf 500 Jahre Reformation und 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. Wir nehmen das auf, was schon x-mal von Basis-Reformgruppen gesagt wurde. Weil einfach nichts passiert!

Mit anderen Worten: Inhaltlich nichts Neues, dafür eine neue Strategie. 23 Promis von Günther Jauch bis Frank-Walter Steinmeier versuchen, das Herz des Papstes zu erweichen?

Christian Führer: Es ist in der Tat ein Vorstoß, der durch die Promi-Namen Aufmerksamkeit erregen könnte; und er ist der Initiative von Bundestagspräsident Professor Norbert Lammert zu verdanken. Aber das Wichtigere ist: Wenn die Basis der katholischen und evangelischen Gemeinden mit dieser September-Initiative mitgeht, könnte sich tatsächlich »oben« etwas tun. Dann könnten die ewigen Bremser, die Bedenken- und Würdenträger in heilsame Unruhe geraten.

Bisher ist Rom da aber durch gar nichts beunruhigt worden.

Christian Führer: Ja, Rom lässt sich kaum beunruhigen. Der Vatikan hat ja gezeigt, dass er selbst in Fällen, die außerordentlich beunruhigend sind – wie zum Beispiel die Missbrauchsfälle – nicht aus der Ruhe kommt. Aber Rom ist auch nicht der Maßstab. Es ist die Basis, die immer unruhiger wird. Auf jedem Kirchentag, jedem Katholikentag, kommt diese Sehnsucht zum Ausdruck: Ökumene jetzt! Ich hoffe deshalb, dass gerade diejenigen, die selten auf die Basis, dafür aber auf Promis hören, jetzt in Unruhe geraten.

Und wer ist damit nun gemeint?

Christian Führer: Alle theologischen Bremser, die am Status Quo nichts ändern wollen. Unsere Initiative will klar machen, dass die Basis das nicht mehr will. Wir wollen einen Weg, wie Jesus ihn vorgezeichnet hat: »Sie sollen eins sein, damit die Welt glaubt!« Das muss »unten« losgehen. Von der Hierarchie ist nichts zu erwarten.

Aber die Basis müssen Sie ja nicht mehr bewegen, die ist mehrheitlich auf Ihrer Seite.

Christian Führer: Ja, aber die Basis ist noch nicht laut genug.

Bis heute gibt es theologische Unterschiede zwischen den Kirchen der Reformation und der römisch-katholischen Kirche. Was über das Abendmahl, das Amt und die Kirche gelehrt wird, ist nicht dasselbe. Sie sind Theologe. Ist Ihnen die Theologie mittlerweile egal?

Christian Führer: Die Theologie ernst zu nehmen, heißt doch nicht, Dogmen über die Schrift zu stellen! Wir haben in der Reformation gelernt, dass Christus in die Mitte gehört. Die Schrift ist die Autorität, nicht das, was im Verlaufe der Kirchengeschichte an Irrtümern aufgeschichtet wurde. Das mit der Theologie kann man sich, so gesehen, weitgehend abschminken. Wenn ich mir zum Beispiel anschaue, wie die Kirchentrennung im Jahr 1054 begründet wurde, stehen mir die Haare zu Berge. Von allem theologischen Geschwafel bleibt nur eines übrig: die Machtfrage. Und das kann man doch wirklich vergessen!

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Personalaudioinformationstext:   Christian Führer wurde 1943 in Leipzig geboren. Er war Pfarrer an der dortigen evangelischen Nikolaikirche. Heute ist er Vorstandsmitglied der Stiftung Friedliche Revolution und gehört zu den Erstunterzeichnern der aktuellen Initiative »Ökumene jetzt«: www.oekumene-jetzt.de
Schlagwort: Ökumene
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