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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2019
Und die Demokratie lebt doch!
Schülerstreiks, Bienen-Volksbegehren, Frauenrechte
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Sternenkinder

von Ernesto Cardenal vom 09.03.2019
Ernesto Cardenal, 94-jähriger Dichter, Politiker und katholischer Priester, hat sein lyrisches Vermächtnis geschrieben: eine Ballade der Endlichkeit, durchzogen von der Hoffnung auf Gott
Ernesto Cardenal schrieb im hohen Alter und schwer krank ein lyrisches Vermächtnis, das Lutz Kliche übersetzt hat (Fotos: pa/Kaiser; istockphoto/Den-Belitsky)
Ernesto Cardenal schrieb im hohen Alter und schwer krank ein lyrisches Vermächtnis, das Lutz Kliche übersetzt hat (Fotos: pa/Kaiser; istockphoto/Den-Belitsky)

Billionen Galaxien und Billionen Sterne / Die Sterne, von denen wir stammen / Weshalb gibt es die Welt / und nicht einfach das Nichts? / Etwas so unglaublich Großes / muss einen Zweck haben

Wenn alles Leben enden wird: / Was ist dann der Sinn des Universums? / Jeder kleine Lichtpunkt eine Welt / und auch wir ein Pünktchen / winzig klein zwischen den Galaxien … / Welche Verschwendung wäre es, wenn das Universum endete und es kein Leben nach dem Tod gäbe? …

Zuerst nur zwei: Gott und das Nichts / die Planeten sind steril / doch einen bedeckte er mit Lebewesen / um sie zu lieben … Die leblose Materie reproduzierte sich / und Milliarden Jahre später / unsere Verwandten aus dem Tierreich und dann wir / Die gleichen Atome des ganzen Universums / geboren aus Gaskonzentrationen / unendlich weit entfernter Sterne / die nicht mehr existieren / Kosmos oder Chaos?

Wir wissen nicht, ob es das einzige Universum ist / Der Homo sapiens erst kürzlich aufgetaucht / auf einem besonderen Planeten, damit er leben / und ihn verändern konnte / rund und sich drehend Tag und Nacht / warm und kalt, um das Leben zu haben / abwechselnd Kälte und Wärme / nur mit Tag wäre er zu heiß / nur mit Nacht würde er gefrieren / Und mit Sonne / ohne Sonne gäbe es uns nicht / wir essen Sonne / unser Leben ist Sonnenlicht / das Licht schuf das Leben …

Nur der Homo sapiens fragt sich / ob er einen Ursprung hatte und was vorher war / wenn er ein Ende hat, wie es wohl sein wird / und welchen Sinn das Dasein hat / Unsere Gene fast die des Affen

Vor meiner Hütte in Solentiname / brütet auf einem Jocote-Baum /ein San-Nicolás-Täubchen / zwei Eier / wozu? / Zu welch

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