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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

Mystik als Lebensstil

von Hartmut Meesmann vom 11.10.2020
Der katholische Priester Gotthard Fuchs spricht im Interview über Mystik im Alltag, die trockene Sprache der Kirchen und den Beitrag der Christen für das interreligiöse Gespräch.
»Mystik ist eine Radikalform von Spiritualität«: der katholische Priester und Publizist Gotthard Fuchs (Foto. privat)
»Mystik ist eine Radikalform von Spiritualität«: der katholische Priester und Publizist Gotthard Fuchs (Foto. privat)

Publik-Forum: Herr Fuchs, von dem einflussreichen katholischen Theologen Karl Rahner stammt der viel zitierte Satz: »Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht sein.« Was zeichnet denn einen Mystiker, eine Mystikerin aus?

Gotthard Fuchs: Das Wort »Mystik« ist ja zur Blackbox geworden. Vielleicht könnte man allgemein von einer Art Tiefenerfahrung sprechen, zum Beispiel in der Natur und Kultur, natürlich in den Religionen. Im engeren (mono-)theistischen Sinn finde ich die Definition des Mystik-Forschers Bernard McGinn hilfreich: Mystik ist unmittelbare Bewusstheit göttlicher Gegenwart. Dabei vermeidet er das Wort »Erfahrung«. Denn es handelt sich um eine Lebenseinstellung, zu der auch die Nicht-Erfahrung gehört. Mich bewegt das Stichwort »gottdurchlässig«. Jedenfalls sollte man nie Mysteriöses und Irrationales mit authentischer Mystik verwechseln.

Kann Gott überhaupt erfahren werden? Oder ist das, was wir Gotteserfahrung nennen, nicht eigentlich die Erfahrung unserer Geschöpflichkeit und Abhängigkeit?

Fuchs: Ist das ein Gegensatz? Von Geschöpflichkeit kann ich ja sinnvoll nur reden, wenn ich einen Schöpfer, eine Schöpferin voraussetze, eine kreative und kreatorische Instanz. Elementar sind Erfahrungen dessen, was uns hinreißt. Ich lasse mich von etwas ergreifen, ich lasse mir etwas sagen, was ich mir selber nicht sagen kann. Ich kann mir zum Beispiel nicht selber sagen: Ich werde geliebt. Oder: Ich vergebe mir. Ich brauche für beides ein Gegenüber. Mit Gotteserfahrung ist gemeint: Ich werde von einer letzten Wirklichkeit angesprochen, berührt und ergriffen. Zu klären wäre jedoch: Was meine ich,

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