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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

Eucharistische Gastfreundschaft: Worum es geht

vom 09.10.2020
Die wichtigsten Punkte des ökumenischen Arbeitspapiers und die römische Kritik daran

Seit 1946 gibt es einen Ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen, der sich intensiv mit den Fragen von Kirche, Eucharistie/Abendmahl und Amt auseinandersetzt. Er konnte (mit anderen ökumenischen Akteuren) im Laufe der Jahrzehnte durch intensive Arbeit zentrale kirchentrennende Hindernisse beseitigen und interkonfessionelle Übereinstimmungen erreichen, sodass die Autoren nun von einer »Epoche der Ernte« sprechen. Das Maß der Verständigung erlaube es nicht mehr, »die verbliebenen Differenzen als kirchentrennend zu betrachten«. Es gebe einen Grundkonsens hinsichtlich Taufe, Eucharistie und Amt. Deshalb betrachtet der Arbeitskreis die wechselseitige Teilnahme an den Feiern von Abendmahl/Eucharistie in Achtung der je anderen liturgischen Traditionen als »theologisch begründet«. Insbesondere für konfessionsverbindende Familien sei sie »pastoral geboten«. Eine solche Einladung ist noch keine Eucharistie- und Kirchengemeinschaft. Aber ein wichtiger Schritt dorthin.

Die Studie untersucht nicht nur die Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Kirche, sondern ordnet auch Jesu Mahlpraxis in den Kontext der antiken Gastmähler ein. Ein unterscheidendes Merkmal sei ihre Offenheit für alle. Sie »durchbricht soziale und religiöse Grenzen und richtet keine rituellen Schranken auf. Sie orientiert sich nicht am Tempel als dem Ort der von Gott den Menschen gewährten Versöhnung, sondern feiert die Annahme der Sünder im Alltag der Welt«. In Erinnerung und im Anschluss daran hat sich im frühen Christentum »eine bunte Vielfalt von Mahltraditionen« entwickelt. »In der Frage des Mahlvorsitzes lässt sich keine Regelung unmittelbar aus den Texten des Neuen Testaments ableiten.«

Während der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland das Papier sehr positiv aufgenommen hat, kommt aus dem Vatikan harsche Kritik. »Die Wiederherstellung der Gemeinschaft im Glauben [sei] die Voraussetzung für die gemeinsame Teilhabe am Tisch des Herrn.« Hierfür seien die Lehrunterschiede noch zu groß. Der Ursprung der Eucharistie liege nicht in der Mahlpraxis Jesu. Der Opfercharakter werde zu wenig betont, das Sakrament der Taufe als Zulassungskriterium zur Eucharistie überdehnt. Der Satz, dass Christus der »alleinige Gastgeber der Eucharistie ist und dass es der Kirche nicht zukommt, Zulassungskriterien festzulegen«, sei inakzeptabel, da Christus die Kirche, seinen Leib, »mit dem sakramentalen

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