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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

Spiritualität erwächst in der Ohnmacht

Not aushalten: Erfahrungen einer Klinik- und Notfallseelsorgerin
Wo ist Gott? Wenn das eigene Kind stirbt oder die Ehefrau bei einem Unfall und das bisherige Leben sich radikal ändert? Notfallseelsorgerin Fanny Dethloff berichtet von ihren Erfahrungen an den Ohnmachtsorten des Lebens, und wie sie den Betroffenen hilft, neuen Sinn zu finden  (Foto: pa/MITO images)
Wo ist Gott? Wenn das eigene Kind stirbt oder die Ehefrau bei einem Unfall und das bisherige Leben sich radikal ändert? Notfallseelsorgerin Fanny Dethloff berichtet von ihren Erfahrungen an den Ohnmachtsorten des Lebens, und wie sie den Betroffenen hilft, neuen Sinn zu finden (Foto: pa/MITO images)

Der Mann vor mir stottert etwas. Er ist blass und was er sagen möchte, braucht seine Zeit. Bei einem Unfall kam seine Frau ums Leben. Er ist gefahren. Ihm ist nichts passiert. Seine Erstarrung ist sichtbar. Gleichzeitig ist er fahrig und unruhig, leidet an Wortfindungsstörungen, Unruhe, Schlaflosigkeit. Das Gehirn läuft größtenteils übers Stammhirn, der Adrenalinspiegel ist hoch. Man nennt es Schock. Normaler Zustand bei einer anomalen Lebenslage – Überlebensprogramm. Er möchte den Hergang schildern, was er noch weiß. Mühsam sucht er nach Worten. Mit Glauben hat er nichts am Hut, sagt er. Aus der Kirche ist er längst ausgetreten.

Vorsichtig erkläre ich ihm, was mit ihm los ist. Dass es Zeit braucht. Dass er sich bewegen sollte, um das Adrenalin abzubauen. Wenn er es schafft, sollte er alles aufschreiben, was durch seinen Kopf geht. Immer, we