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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

»Die Gläubigen sind fassungslos«

Die Massaker in Hotels und Kirchen haben mehr als 250 Opfer gefordert. Auch das fragile Miteinander der Religionen steht vor einer Zerreißprobe. Wie kann es weitergehen? Fragen an den srilankischen Theologen Emmanuel Semampillai

Seit einem Jahr kann der tamilische katholische Theologe Emmanuel Semampillai wieder in seiner Heimat in Sri Lanka leben. Staatspräsident Maithripala Sirisena garantiert seine Sicherheit, denn er hat ihn eingeladen, im Versöhnungsprozess nach dem 2009 beendeten Bürgerkrieg zu wirken, als kritischer Fürsprecher der besiegten Tamilen. Zuvor musste der Menschenrechtler Semampillai zwanzig Jahre als Flüchtling im Exil leben. Zehn Jahre lang arbeitete er als Priester im Bistum Münster. Zugleich wirkte er als Sprecher des gewaltfreien Global Tamil Forums. Papst Franziskus beauftragte ihn 2016 bei der Feier der fünfzigjährigen Priesterweihe: »Kehre heim und arbeite in Sri Lanka für Versöhnung.«

Publik-Forum: Über 250 Menschen starben durch Bombenterror am Ostersonntag, die meisten wurden im Gottesdienst getötet. Wie geht es den Christen in Sri Lanka?

Emmanuel Semampillai: Jetzt ist die Zeit der Massenbeerdigungen. Das stürzt viele Gläubige in fassungslose Trauer. Danach wird die Zeit der Angst und der Ungewissheit kommen: Denn das Verhältnis der vier Religionen Buddhismus, Hinduismus, Islam und Christentum auf unserer kleinen Insel wird durch die Massenmorde erschüttert, zumal sie im Gottesdienst zum Osterfest geschahen. Und politisch erscheint der Friede in Sri Lanka, der allzu sehr Züge eines Siegfriedens der im Krieg triumphierenden Buddhisten trägt, plötzlich fragil.

Weshalb kam es zu den Terrorverbrechen ausgerechnet in Sri Lanka?

Semampillai: Unsere großen Nachbarn, die Indische Union und Pakistan, verfügen über viel größere und leistungsfähigere Sicherheitsdienste