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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:
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»Lieben kann man immer«

von Britta Baas vom 02.12.2016
Zwei Religionen, ein Paar. Wie geht das? Auf Spurensuche in Deutschland
Betriebswirt Monir und Pfarrerin Carmen Khan: Dass die Kirche Ehen wie diese als Problemfall behandelt, der gelöst werden muss, ist in Zeiten religiöser Vielfalt nicht jedem einsichtig. (Foto: Thielker)
Betriebswirt Monir und Pfarrerin Carmen Khan: Dass die Kirche Ehen wie diese als Problemfall behandelt, der gelöst werden muss, ist in Zeiten religiöser Vielfalt nicht jedem einsichtig. (Foto: Thielker)

Am Anfang gibt es nichts als Absagen. Niemand will über seine Beziehung reden. »Wir haben es lange besprochen und werden nicht mitmachen«, steht in einer E-Mail. Zwei Frauen, eine Christin, eine Jüdin, finden die Idee einer Reportage über religionsverschiedene Paare toll. Es gebe Paare wie sie ja immer häufiger in Deutschland, super, da mal genauer hinzuschauen. Sie bäten sich aber eine Bedenkzeit aus, bevor sie einem Treffen zustimmen könnten. Dann kommt die Absage, per E-Mail: Man wolle über Privates nicht öffentlich reden: »Noch dazu, wenn es um Religiosität geht.«

»Wir wollen doch lieber nichts sagen«

Ähnlich verlaufen etliche Anfragen bei anderen Paaren. Am Telefon ist die Stimmung gut, es werden erste Anekdoten aus dem Paaralltag mit zwei Religionen erzählt. Nur eine Bedenkzeit vielleicht? Man müsse noch mit seiner Frau, seinem Mann reden, in den nächsten Tagen melde man sich. Dann kommt die E-Mail, immer die E-Mail: »Nach kurzem Überlegen haben meine Frau und ich beschlossen, dass wir nicht zur Verfügung stehen. Wir möchten mit unserem Privatleben nicht in der Öffentlichkeit dargestellt werden« ... »Wir ziehen es vor, nicht über unsere Beziehung zu reden« ... »Es wäre besser, wenn Sie vielleicht ein anderes Paar finden.«

Was ist da nur los? Ich will ja nicht über Sex reden, nicht über Politik und nicht über Ehekrach. Einfach nur über Religion. Ist die etwa das Privateste aller privaten Dinge?

Manche Absagen enthalten kleine Hinweise, die zu denken geben. Jemand schreibt: »Ich arbeite wissenschaftlich«, im Kollegium werde nicht über Religion gesprochen; besser sei, es bleibe dabei. Was wohl geschehe, wenn jemand den Artikel läse? Andere em

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