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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

Leuchtturm oder Sauerteig

von Alexander Schwabe vom 12.05.2019
Tief miteinander verwoben drohen Europa und das Christentum von innen heraus zu erodieren. Dabei könnten sie voneinander neue Kraft schöpfen
Europa-Fahne vor dem Kölner Dom: Für die Zukunft Europas zählt auch, was Kirchen und Christen aus sich machen. (Foto: pa/Rothermel)
Europa-Fahne vor dem Kölner Dom: Für die Zukunft Europas zählt auch, was Kirchen und Christen aus sich machen. (Foto: pa/Rothermel)

Als ob sie es geahnt hätten: Im Mai 2016 pilgerten die höchsten Repräsentanten der Europäischen Union nach Rom zum Papst. Der damalige Parlamentspräsident Martin Schulz, Kommissionschef Jean-Claude Juncker und der Ratsvorsitzende Donald Tusk in Begleitung der deutschen Kanzlerin und des Oberbürgermeisters von Aachen. Im Gepäck hatten sie den Karlspreis, eine Ehrung für Personen, die sich um die europäische Vereinigung verdient gemacht haben. Schulz, Junker, Tusk und Merkel kamen in »tiefer Sorge um den Zusammenhalt Europas.« Europa durchlebe eine schwere Solidaritätskrise, die gemeinsame Wertebasis gerate ins Wanken, beklagte Schulz.

Doch der argentinische Papst hatte wenig Trost parat. Er sprach von einem »heruntergekommenen Europa«.

Nur einen Monat später stimmten die Briten dafür, die EU zu verlassen.

Lange war Europa der mächtige Alte Kontinent. Es eroberte die Welt, beutete sie vielfältig aus und lebte prächtig von ihr. Heute ist es in vielen Fragen zerstritten zwischen Nord und Süd, in manchen gar gespalten zwischen Ost und West. Die ehemals Beherrschten dagegen strotzen vor Selbstbewusstsein. In aufstrebenden Staaten, in Indien etwa, freuen sich viele insgeheim darüber, wie der einst übermächtige Kontinent an Kraft verliert: Ihr habt ein Flüchtlingsproblem? Kommt zu uns, dann seht ihr, was echte Probleme sind. Und wie wir mit ihnen fertig werden! Und die letzte verbliebene Supermacht USA behandelt Europa unter ihrem America-first-Präsidenten wie ein missliebiges Hündchen, das man sich vom Bein schütteln will.

Kann Europa wenigstens noch moralisch ein Vorbild sein, ein Modell, das für Versöhnung und Frieden steht? Ein Vorbild etwa für die neue

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Kommentare
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Christof Bretscher
16.05.201914:43
Kirche in D ist nicht Bollwerk, sondern Nährboden nationaler traditionalistischer und antidemokratischer Kräfte. Insbesondere die katholische. Die elementaren Fragen von Welt, Leben und Tod werden in den K. nicht gestellt, nicht beantwortet, politischer Einfluß durch Konkordate und Geld spielen eine zu große Rolle. Europa sollte sich da lieber nichts abschauen. Plebiszite sind heute ebenso in wie der Trend zu Populismus und Rechtsruck. Marode ist Europa nicht. Aber niemand will wohl sehen, dass die große Gefahr für die Demokratie weltweit in der fehlenden überprüfbaren Qualifikation und damit Kompetenz der Politiker besteht. Müsste jedes Mitglied einer Regierung z.B dem Bundespräsidenten vor der Vereidigung die Qualifizierungsurkunde für sein Amt vorlegen, wäre die Demokratie um einiges sicherer. Es genügt eben nicht, dass sich alle Bürgrr/innen an den Wahlen beteiligen, sie müssen außer Parteien und Programmen auch qualifizierte Menschen/Politiker auswählen können. Die gibt es nicht.