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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2019
Ach, Europa
Vielfältig, widersprüchlich, wunderbar – die EU vor der Wahl
Der Inhalt:

Idealer Nährboden für Fanatiker

von Klemens Ludwig vom 10.05.2019
Sri Lanka: Ethnische Spannungen, religiöse Radikalisierung, ein Bürgerkrieg und das schwere Erbe der britischen Kolonialzeit machen es den islamistischen Terroristen leicht, Netzwerke des Hasses zu bilden

Es war ein fatales Zusammenspiel von lokalen, radikalisierten Muslimen mit dem internationalen Netzwerk des Islamischen Staates (IS), das die verheerenden Anschläge auf Sri Lanka ermöglicht hat. Eine derartig diabolisch-perfekt geplante Terrorserie gleichzeitig an sieben Orten verlangt eine Erfahrung, über die nur der IS verfügt. Gleichzeitig werden genaue Kenntnisse vor Ort benötigt, die von der sogenannten National Thowheeth Jama’ath (NTJ), der »Nationalen Monotheisten Organisation«, eingebracht wurden. Der IS übernahm zwei Tage nach den Massenmorden die Verantwortung. Seiner Propaganda zufolge als »Rache für Christchurch«, wo Mitte März ein rechtsradikaler Täter in zwei Moscheen fünfzig Muslime ermordet hatte.

Dabei handelt es sich um die bekannte Rhetorik des IS, mit der er versucht, innerhalb der islamischen Welt Verständnis für den Terror zu erheischen. Kirchen und Hotels sind nicht erst seit Christchurch Ziele, auf die sich der Hass islamischer Fanatiker richtet, wie zahlreiche Terroranschläge gerade in asiatischen Staaten wie Indonesien und den Philippinen belegen.

Spannender ist der Blick auf die NTJ, eine junge Organisation, die außerhalb von Sri Lanka bis Ostern noch nicht wahrgenommen wurde. Dabei handelt es sich um islamische Tamilen, die vor allem im Osten der Insel beheimatet sind. Tamilen bilden die Minderheit in Sri Lanka, die Singhalesen sind die ethnisch größte Gruppe. Die ethnisch-religiösen Identitäten sind kompliziert, doch sie prägen das Bewusstsein der Menschen stark. Das gilt auch und gerade für die Fanatiker der NTJ.

Über siebzig Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Die Muslime stellen knapp zehn Prozent der etwa 21 Millionen Bürger. Gut zwölf Prozent bekennen sich zum Hinduismus und 7,4 Prozent zum Christentum. Drei Viertel aller Christen sind katholisch. Unter den Tamilen ist ihr Anteil besonders stark. Die Muslime sind als eigene ethnische Gruppe anerkannt, die »Moors«.

Während der Kolonialzeit wurden die Tamilen von den Briten besonders gefördert, um die Mehrheit der Singhalesen kleinzuhalten. Unter den Tamilen war es wiederum die Minderheit der Muslime, die von den Briten mit Vorliebe als koloniale Hilfstruppe herangezogen wurde. Sie stellten einen großen Teil der Verwaltung und waren überdurchschnittlich gut gebildet.

Die Si

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