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Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
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Landfrust? Landlust!

von Josefine Janert vom 23.11.2013
Jürgen Brilling feiert sonntags in Sachsen-Anhalt drei Gottesdienste hintereinander – mit wenigen Besuchern. Und trotzdem ist er gefragt. Besuch bei einem immer noch optimistischen Landpfarrer
Pfarrer Jürgen Brilling in der Altmark: Er betreut neun Orte, seine Frau zwölf und manche Pfarrer gar vierundzwanzig. (Foto: Pramme)
Pfarrer Jürgen Brilling in der Altmark: Er betreut neun Orte, seine Frau zwölf und manche Pfarrer gar vierundzwanzig. (Foto: Pramme)

Für ihre Kirche haben die Hottendorfer lange gekämpft. Bis sie schließlich gebaut wurde, liefen sie sonntags einen modrigen Feldweg entlang zum Gottesdienst ins nächste Dorf. Fünf Kilometer hin, fünf Kilometer zurück. Dann, vor 120 Jahren, konnten sie die Verantwortlichen der Kirchenprovinz Sachsen für sich gewinnen: Ein Dorf braucht seine eigene Kirche! Die stolzen Bauern wollten es so. Und überzeugten. Die Landeskirche stellte ihnen die Kollekte eines Sonntags zur Verfügung. Sie reichte für das Gotteshaus.

Jetzt wachsen Kornblumen auf dem Weg, der zu dem Kirchlein führt. Selten werden sie niedergetreten. Nur einmal im Monat feiern die Hottendorfer hier einen Gottesdienst. An diesem Sonntag ist es so weit. Pfarrer Jürgen Brilling ist aus Lindstedt gekommen, wo er mit seiner Familie wohnt. Der 49-Jährige plaudert mit Helga, der »guten Seele«. Sie hat die Gesangbücher bereitgelegt. Später wird sie die Kollekte zählen und die Summe in ein Buch eintragen. »Ohne Gottesdienst ist es kein richtiger Sonntag«, meint sie. Hottendorf hat knapp 300 Einwohner. In der Kirche sitzen zwei Männer, fünf Frauen. Die Jüngste ist fünfzig. Um neun Uhr in Kloster Neuendorf waren sie zu sechst.

In der Altmark, einer ländlichen Region in Sachsen-Anhalt, betreuen Pfarrer bis zu 24 Orte. Allein. Jürgen Brilling hat neun, seine Frau, ebenfalls Pfarrerin, zwölf Orte. In ländlichen Gegenden Ostdeutschlands ist das eher die Regel als die Ausnahme. Von den 2,3 Millionen Menschen in Sachsen-Anhalt sind 333 760 evangelisch, 78 150 römisch-katholisch.

Jürgen Brilling hat eine 75-Prozent-Stelle und einen straffen Arbeitsplan.

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