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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2013
Konzerne im Klassenzimmer
Wie die Wirtschaft Einfluss auf die Schule nimmt
Der Inhalt:

»Verschmähte Liebhaber«

von Thomas Seiterich vom 22.11.2013
Streit um Politik, Putin und den Papst. Was bewegt den Weltkirchenrat bei der Vollversammlung? Fragen an Klaus Heidel

Herr Heidel, Sie berieten die deutschen Delegierten bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in der südkoreanischen Hafenstadt Busan. Was sind die Spitzenthemen, die die Vertreter von 350 evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen dort verhandelten?

Klaus Heidel:Die Einheit der Kirchen sowie die Klimakatastrophe und unser Lebensstil, diese Themen ragen aus der Breite der behandelten Fragen hervor. Bei der theologischen Frage nach der Einheit der vielen verschiedenen Kirchen entdeckten die Teilnehmer den für die ökumenische Bewegung tragenden künftigen Grundgedanken, dass alle, von den Pfingstlern bis zu den Orthodoxen, gemeinsam den einen Leib Christi bilden. Dies bedeutet eine Abkehr von einem funktionalen, wenig theologischen Selbstverständnis früherer Vollversammlungen. Auf diesen wurden die Kirchen eher als politische Aktionsträger für Gerechtigkeit und Frieden betrachtet. Zugespitzt formuliert: Diese Vollversammlung des Weltkirchenrates war frommer als die vorherigen Treffen in Harare 1998 und Porto Alegre 2006. Das theologische Gespräch stand im Zentrum.

Worum geht es im theologischen Dokument über Einheit, das in Busan entstand?

Heidel: Der Horizont ist weiter als früher. Denn es wird versucht, Einheit nicht nur zwischen den Kirchen zu definieren, sondern zu fragen: Was heißt das eigentlich, dass wir auf dieser Erde in Gemeinschaft stehen mit den anderen Religionen sowie mit der gesamten Schöpfung – ohne dabei das Spezifische der Kirchen zu verwischen.

Wie gestaltete sich der seit Jahren schwierige Umgang mit der Orthodoxie?

Heidel: Erfreulicherweise widersprachen die rumänisch-orthodoxen Vertreter und andere orthodoxe Kirchen, als die russische Orthodoxie allzu nationalistische sowie schwulenfeindliche Töne anschlug. Manche Spitzenvertreter wie der Moskauer Außenamtschef Hilarion, der dem russischen Staatspräsident Wladimir Putin nahesteht, traten sehr unangenehm auf. Umso besser, dass sich gegen deren Kurs Widerspruch von offeneren, problembewussten Orthodoxen regt. Außerdem verhinderte in Busan die Tagungsleitung, dass die intoleranten Thesen von Moskauer Vertretern, die für uns nicht akzeptierbar sind, viel Raum bekamen.

Im evangelischen Deutschland nahm seit 1989 das Interesse am Weltkirchen

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