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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2016
Wir müssen reden!
Über Werte. Über Flüchtlinge. Und über uns
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Gott und seine Optimisten

von Britta Baas vom 29.01.2016
Wie glauben wir morgen? Über die Zukunft der Religion in den Städten
Einfach mal etwas Eigenes in die Welt schicken: Was man selbst denkt und glaubt, interessiert die anderen vielleicht mehr, als man ahnt. (Foto: Daaarta/Photocase)
Einfach mal etwas Eigenes in die Welt schicken: Was man selbst denkt und glaubt, interessiert die anderen vielleicht mehr, als man ahnt. (Foto: Daaarta/Photocase)

Stadtluft macht frei«, heißt ein altes Sprichwort. Wer sich im Mittelalter als Leibeigener in die Stadt rettete und dort ein Jahr nicht von seinem Fronherrn entdeckt wurde, war tatsächlich frei. Dem entbehrungsreichen Leben auf dem Land entkommen, musste man immer noch hart arbeiten. Aber man konnte seiner eigenen Wege gehen. Frei macht Stadtluft noch heute. Die Fronherren gibt es nicht mehr. Geblieben aber ist der Nimbus der Stadt: Hier lässt sich frei atmen, frei denken und glauben!

Der Kontrolle neugieriger Nachbarn entzogen, den dörflichen Rollenmustern entfleucht, kann der Mensch in der urbanen Offenheit baden. Allerdings, so scheint es, darf er dabei in gewissen Kreisen eine ungeschriebene Regel nicht verletzen: Sprich nicht über deinen Glauben! Denn es könnte sein, dass man dich dann für unfrei hält.

Ein fünfzigster Geburtstag. Die Gastgeberin hat sie alle eingeladen: Ihre Nachbarn, ihre Freundinnen und Freunde, die Arbeitskollegen. Der Leiter des Forschungslabors, in dem sie arbeitet, ein Biologe, ist auch da, zusammen mit seiner Frau. Sektgläser in den Händen, Häppchen auf den Tellern balancierend, entwickelt sich ein Gespräch. Was beschäftigt uns? Was lesen wir gerade? Die Frau schwärmt von dem Orientalisten Navid Kermani, der vor wenigen Wochen den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen hat. Sein jüngstes Buch über das Christentum fasziniere sie; man bekomme die eigene kulturelle Welt fremderklärt, könne sie ganz neu entdecken – und das Staunen wieder lernen. Ihr Mann sagt: »Ich weiß nicht, was du da Komisches liest. Über Religion! Religion ist Opium für das Volk!« Und, zu mir gewandt: »Nur auf dieser Basis bin ich bereit, über Religion zu reden. Das ist mei

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