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Ein Pontifex für die Armen

von Thomas Seiterich vom 13.03.2013
Franziskus heißt der neue Papst. Seine Wahl ist ein mutiger Schritt. Die im Konklave zu Rom versammelten Kardinäle votierten für »Weltkirche« statt »Eurozentrismus«, für Pastoral und Begleitung der kleinen Leute anstelle abendländischer Hochtheologie, für die Benedikt XVI. stand
(Foto: pa/www.bildagentur-online.com)
(Foto: pa/www.bildagentur-online.com)

Mit Jorge Mario Bergoglio, dem bereits 76 Jahre alten Seelsorger aus dem gebeutelten Dritte Welt-Land Argentinien, wählten sie einen Mann, der dem Konzilspapst Johannes XXIII. in manchem nahe ist. Bevor er seinen ersten päpstlichen Segen spendete, bat Bergoglio um das Gebet der Leute – ein demütiger Amtsantritt. Die Geste des heutigen Abends war weit entfernt vom Auftritt seiner päpstlichen Amtsvorgänger.

In seiner Bischofsstadt, der Multi-Millionen-Metropole Buenos Aires, fährt Bergoglio wenn immer möglich Straßenbahn. Er hat keine Limousine mit Fahrer, keinen Audi, BMW oder dicken Mercedes wie die deutschen Kardinäle.

Er ist ein politische Seelsorger, kein theologischer Machthaber. Wenn die armen Leute wieder einmal über den Tisch gezogen werden sollten, mischte er sich oft in die argentinische Politik ein. In Sachen Sexualmoral und Kirchendisziplin ist Bergoglio konservativ. Eben ein typischer Jesuiten-Oberer aus Südamerika.

Er war zeitweise sehr umstritten. Bergoglio leitete die argentinische Jesuitenprovinz während des Guerra Sucia Argentina, des Schmutzigen Krieges des herrschenden Militärregimes gegen die so genannten Linksterroristen. Hat er damals zu viele Kompromisse gemacht, als der rechte Staatsterror tobte und viele Christen, auch einige Jesuiten und andere Ordensleute, gefoltert und ermordet wurden? Wie stand er zu dem Märtyrerbischof Enrique Angelelli, den die Militärdiktatur mittels eines LKW-Unfalls ermordete, weil er hartnäckig für die Bedrohten eingetreten war? Der neue Papst wird viele Fragen aus dieser gewalttätigen und unglücklichen Vergangenheit beantworten müssen.

Die M

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