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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
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Der Vater der Inklusion

von Thomas Bastar vom 09.10.2018
Jean Vanier, der gerade 90 Jahre alt geworden ist, gründete die erste »Arche« für Menschen mit und ohne Behinderung. Für Vanier war der Weg ein oft schmerzhafter Lernprozess. Heute gibt es 152 Arche-Gemeinschaften in zahlreichen Ländern
Leben für andere: Jean Vanier gründete die Arche, heute ist er neunzig Jahre alt (Foto: pa/REUTERS/Tom Heneghan)
Leben für andere: Jean Vanier gründete die Arche, heute ist er neunzig Jahre alt (Foto: pa/REUTERS/Tom Heneghan)

Am 5. August 1964 nahm der Philosophiedozent und promovierte Theologe Jean Vanier drei Männer aus einem Behindertenheim in sein Haus in Trosly-Breuil nahe Paris auf. Das war der Gründungsmoment der Arche-Bewegung. Heute gibt es 152 Arche-Gemeinschaften in 37 Ländern, in denen insgesamt 10 000 Menschen mit und ohne geistige Behinderungen ihr Leben teilen.

»Wir wollen einander lieben, wie Christus uns gelehrt hat: sanft, demütig und barmherzig«, hatte Jean Vanier kurz nach der Gründung der ersten Arche in einem Brief geschrieben. Was etwas naiv klingt, war es wohl auch. Denn schon nach einem Tag musste sich der Arche-Gründer von einem seiner neuen Mitbewohner wieder trennen. Dany war taubstumm und durch die neue Situation sehr verunsichert. Der Umgang mit ihm war für den noch unerfahrenen Jean Vanier so schwierig, dass er ihn nach der ersten Nacht in die Anstalt zurückschicken musste, in der Menschen mit Behinderungen damals unter chaotischen und gewalttätigen Bedingungen leben mussten.

Jean Vanier wurde 1928 geboren. Er war das vierte von fünf Kindern eines kanadischen Diplomaten und wuchs in der Schweiz, Frankreich und England auf. Als er als 13-Jähriger wünschte, auf das College der britischen Marine nach Dartmouth zu gehen, ermutigte sein Vater ihn: »Wenn du spürst, dass du das tun musst, dann tu es.« Jean Vanier sollte noch 21 Jahre brauchen, bis er den richtigen Platz im Leben gefunden hatte.

Vaniers lange Suche nach dem richtigen Weg

Denn nach dem College folgte zunächst eine achtjährige Karriere in der britischen, später der kanadischen Marine, Studien in »Eau Vive«, einem Zentrum für theologische und spirituell

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