Zur mobilen Webseite zurückkehren

Der Papst sagt »Ich«

von Thomas Seiterich vom 26.11.2013
Franziskus will um jeden Preis die katholische Kirche dynamisieren. Dies ist der Kern seines Regierungsprogramms in dem heute veröffentlichten, 95-seitigen Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium, »Die Freude des Evangeliums«. Aus dem schwerfälligen Öltanker Ecclesia Catholica soll ein Schnellboot werden. Mit einem Papst als Kapitän, der keine devote Mannschaft sucht, sondern ein kreatives Team
Dieser Papst ist nicht nur in seiner persönlichen Performance zugewandt, sondern auch in seinem ersten Apostolischen Schreiben: »Ein Kirche im Aufbruch ist eine Kirche mit offenen Türen.« Das ist einer von zahlreichen offenen Sätzen in dem 180-Seiten-Werk, das Franziskus heute in Rom vorstellte. (Foto: pa/Spaziani)
Dieser Papst ist nicht nur in seiner persönlichen Performance zugewandt, sondern auch in seinem ersten Apostolischen Schreiben: »Ein Kirche im Aufbruch ist eine Kirche mit offenen Türen.« Das ist einer von zahlreichen offenen Sätzen in dem 180-Seiten-Werk, das Franziskus heute in Rom vorstellte. (Foto: pa/Spaziani)
PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang sofort plus 2 Hefte gratis nach Hause
  • 4 Wochen kostenlos alle über 30.000 Artikel auf publik-forum.de lesen
  • die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • die nächsten 2 Ausgaben gratis in Ihrem Briefkasten
Digital-Zugang
  • Mehr als 30.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Mehr als 30.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen

Des Papstes Ziel: Er will, dass die Christen sich aufmachen und die befreienden Teile der christlichen Botschaft an allen Hecken und Zäunen der Weltgesellschaft verkündigen. Sein Apostolisches Schreiben bedeutet nichts weniger als einen Aufbruch der römisch-katholischen Kirche in eine offene Zukunft.

Franziskus fordert in seinem ersten großen Rundschreiben an die Welt eine liebevolle »Revolution«: Jede Christin, jeder Christ möge sich in jeder Sekunde des Lebens bewusst sein, dass nur ein offenes Herz und ein offener Blick für andere die Welt verändere.

Doch der Pontifex aus

Kommentare und Leserbriefe
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.
Paul Haverkamp
28.11.201309:42
So „reformatorisch“ einige Passagen dieses Regierungsprogramms auch klingen mögen, bisher bleibt es bei Absichtserklärungen, die ich als (wohltuende) Reformlyrik einordne. Ich habe es mir aufgrund meiner Enttäuschungen mit meiner kath. Kirche abgewöhnt, mich voreilig auf die Seite der Applaudierer zu stellen. Diesen Platz werde ich erst einnehmen, wenn Reformentscheidungen in konkr. schriftl. Form vorliegen und der Papst entsprechende Passagen aus dem CIC verändert hat. Im Übrigen bestätigen mich die päpstl. Äußerungen zum Frauenpriestertum (Verletzung der Frauenwürde) und dem Pflichtzölibat (Verletzung des Rechts der freien Berufswahl) in meiner krit. Begleitung dieses Papstes – verbunden mit der Frage, ob er wirklich die „Zeichen der Zeit“ verstanden hat und vor allem auch die Kraft hat, gegen eine ultrakonservative Kurie den Reformknoten mit verbindlichen(!) Reformentscheidungen zu durchtrennen. Mit anderen Worten: Ich warte auf Taten – Worte sind genug gewechselt!

Britta Baas
27.11.201311:00
@thomaswystrach, selbstverständlich ist richtig: Wenn dieser Papst an der theologischen Lehre nichts ändern sollte, an den Strukturen und Menschenrechtsfragen (Stichwort: Frauen), dann kann schon der nächste alles wieder reaktionär umdeuten. Ich fürchte, Franziskus ist in diesem Punkt zu "locker drauf".
Trotzdem ist sein Regierungsprogramm auf anderer Ebene revolutionär: nämlich wirklich in der Art seiner "Ich"-Botschaft. Er sagt nicht "Ich befehlige diese oder jene Lehränderung", sondern er verlangt von sich selbst eine Art therapeutische Durchleuchtung: "eine Neuausrichtung des Papsttums", "Umkehr", "revidieren von Bräuchen", geißelt wörtlich Sätze wie: "Es wurde immer so gemacht in der Kirche". Da spricht ein selbstreflektierendes Ich, das schon im Duktus vermittelt: Ich bin ein Mensch - der Beratung braucht, nicht alles weiß, Führung dialogisch versteht. Ich kenne kein anderes päpstliches Papier dieser Art.
Thomas Wystrach
26.11.201320:50
»Dass Franziskus in Ich-Form spricht, ist der Schlüssel zum Verstehen seines Apostolischen Schreibens. Damit signalisiert er den Abschied vom monarchischen Selbstverständnis des Papsttums.« – Wenn die zentrale These dieses Artikels stimmt, frage ich mich, was es bedeutet, das auch Johannes Paul II. und Benedikt XVI. in ihren Apostolischen Schreiben die »Ich«-Form und nicht mehr das früher übliche »Wir« verwendet haben. Übrigens hat man bereits Johannes XXIII. (im Vergleich zu Pius XII.) und Johannes Paul II. (im Vergleich zu Paul VI.) ein »moderneres Auftreten« bescheinigt, geändert hat sich inhaltlich aber nichts in kirchenrechtlichen und dogmatischen Fragen wie Unfehlbarkeit, Jurisdiktionsprimat und Universalepiskopat des Papstes, Frauenordination, Zwangszölibat und Sexualmoral, die von Kirchenreformgruppen seit Jahrzehnten thematisiert werden. Es gibt keinerlei Anhaltspunkt, dass sich das unter Papst Franziskus ändern würde. Nur die PR ist erfolgreicher als bei Ratzinger ...