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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2019
Die Waffen nieder!
Pazifismus in kriegerischen Zeiten. Wie sich Sicherheitspolitik neu denken lässt
Der Inhalt:

Das Bethaus im Böhmerwald

von Hannelore Summer vom 09.11.2019
Die Synagoge von Hartmanice war eine Ruine. Dann ließ eine Bürgerinitiative sie in altem Glanz wieder erstehen.Das Bethaus ist heute ein Ort der Begegnung zwischen Menschen verschiedenen Glaubens
Erinnert an jüdisches Leben im Böhmerwald: Die restaurierte Synagoge von Hartmanice mit den Zehn Geboten im Giebel (Foto: Wikipedia/Erbenova)
Erinnert an jüdisches Leben im Böhmerwald: Die restaurierte Synagoge von Hartmanice mit den Zehn Geboten im Giebel (Foto: Wikipedia/Erbenova)

Jemand hat ein kleines, blaues Hinweisschild mit Kupferdraht an dem Pfosten eines Wegweisers befestigt. Verwittert und schief, leicht zu übersehen, doch es funktioniert: Der Blick will schon entlang der langen rötlichen Fassade der Grundschule die schmale Straße hinaufeilen, auf die Kuppe zu mit der Kreuzung in dem kleinen Böhmerwald-Städtchen Hartmanice. Aber, sagt das Schild, stopp, schau mal. Hier ist etwas Besonderes: Ein Davidstern in der Pfeilspitze weist auf die andere Straßenseite: »Horska Synagoga Pamatnik, Bergsynagogen-Denkmal. Deutsch-tschechisch-jüdisches Zusammenleben im Böhmerwald, liquidiert nach 1948«.

Ein Haus, ein kleiner Giebel vor dem hohen Dach. Frisch renoviert. Weiße Stuckrahmen zieren die stattlichen Sprossenfenster. Die Fassade ist hellblau wie der Himmel an einem Frühlingstag, die Holzschindeln an den Seitenwänden werden schon grau. Das ist die Bergsynagoge in Hartmanice. Zwei niedrige Häuser rahmen sie ein, wie Buchstützen ein wertvolles Buch. Auf zwei schwarzen Tafeln im kleinen Giebel hoch über der Flügeltür im Rahmen aus Granitsteinen stehen in hebräischer Schrift die Zehn Gebote.

»Die Tafeln mit den Zehn Geboten hatte der Tischlermeister Ferdinand Pelikan als Treppenstufen in den Garten gelegt, als er das Gebäude als Werkstatt nutzte«, erzählt Radek Vlach. Dort hat man sie gefunden, als die Synagoge renoviert wurde. Man musste sie nicht lange suchen. Vlach hat Neue Geschichte studiert und empfängt seit 2016 die Besucher. Die öffnen die Flügeltür unter dem Fenster mit dem Davidstern, sie treten über die hohe Schwelle aus Granit und gelangen über ein paar Stufen im Vorraum hinauf in einen hellen, offenen Raum.

Für Vlach erzählt das Haus eine starke

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