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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2016
Eine Stadt sucht Heilung
Brüssel nach dem Terror
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Brüssel nach dem Terror

von Thomas Seiterich vom 13.04.2016
Eine Stadt sucht Heilung: In Belgiens Metropole versuchen Christen und Muslime die Folgen des islamistischen Terrors zu bewältigen. Doch das Leid ist allgegenwärtig. Die Angst vor neuen Anschlägen ist groß. Und die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft ist erst ein zartes Pflänzchen. Die Titelreportage in Publik-Forum
Trauern vor der Börse im Stadtzentrum von Brüssel: Tag für Tag gehen Tausende Bürger hin. (Foto: Hartmann/Reuters)
Trauern vor der Börse im Stadtzentrum von Brüssel: Tag für Tag gehen Tausende Bürger hin. (Foto: Hartmann/Reuters)

Beim Aussteigen im Bahnhof Brüssel-Midi überall Soldaten im Kampfanzug, mit Splitterweste und Schnellfeuergewehr. Arabisch und afrikanisch aussehende Reisende sortieren die Militärs sofort aus zur Körper- und Gepäckkontrolle auf dem Bahnsteig. Es sind nur hundert Meter bis zu meinem Hotel. Auf dem Weg dorthin: Soldaten überall. Schwer bewaffnet, vor und in der Eingangshalle. Mein Rollkoffer und Rucksack werden von der belgischen Polizei penibel durchsucht. Erst dann kann ich einchecken. Im Aufzug fährt ein Infanterist mit. Oben im Hotelflur stehen die Türen offen. In den Zimmern Soldaten und gestapelte Schusswaffen.

Wut

Brüssel ist eine Metropole im Krieg. Seit den Attentaten junger Islamisten. Viele Bürger, nicht bloß Muslime, sind in Schockstarre. Andere, vornehmlich rechte Flamen, baden im Hass auf den Islam. In Molenbeek liefern sie der Polizei eine Straßenschlacht und schreien: »Muslime raus aus Belgien!« Die Bomben kosteten 32 Menschen das Leben und verletzten viele Dutzend schwer. Viele werden künftig behindert sein. Belgiens Armee wacht schwer bewaffnet an den verletzlichen Orten Brüssels. Die Attentäter planten ihre Mordtaten in ärmlichen Arbeitervierteln aus der Gründerzeit wie Molenbeek, Forest, Schaerbeek oder Anderlecht, wo am 9. April der Drahtzieher gefasst wurde. Schon die Pariser Attentate vom 13. November mit 130 Getöteten nahmen von dort ihren Ausgang. In Molenbeek, dessen 100 000 Bürger fast alle Muslime sind, konnte sich der überlebende Paris-Attentäter Salah Abdeslam vier Monate lang verstecken. Gegenüber dem Rathaus, Hausnummer 30, unweit der Pfarrkirche Saint-Jean-Baptiste. Der 26-Jährige ging aus, etwa zum Friseur. Niemand hat den Sicherheitskräften davon Meldung gemach

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