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50.000 unterzeichnen für Franziskus

von Thomas Seiterich 11.11.2017
Ein Sympathiebrief an Papst Franziskus: Wer unterschreibt so was? Mittlerweile haben es weit über 50.000 Menschen getan. Gestartet haben die Aktion »Pro-Pope-Francis« der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner und der tschechische Religionsphilosoph Thomas Halik. Wird ihre Initiative im Vatikan wahrgenommen? Wir fragen nach
Ein Papst (vorn) hat im Kardinalskollegium (hinten) nicht nur Freunde: Und Franziskus - hier zu sehen bei einer Versammlung im Vatikan - schon gar nicht. (Foto: pa/AP Photo/L'Osservatore Romano)
Ein Papst (vorn) hat im Kardinalskollegium (hinten) nicht nur Freunde: Und Franziskus - hier zu sehen bei einer Versammlung im Vatikan - schon gar nicht. (Foto: pa/AP Photo/L'Osservatore Romano)

»Hochgeschätzter Papst Franziskus!« – mit diesen Worten beginnt der Sympathiebrief. Und damit ist der Ton vorgegeben. Der knappe Text, der sich in zwei Minuten lesen und verstehen lässt, appelliert sprachlich an die Mitte, ja an den Mainstream in der katholischen Kirche. Zielgruppe sind die Aufgeschlossenen unter den Katholiken, oder, wie Zulehner sagt: »Der bislang schweigenden Mehrheit« will die aktuelle Sympathieaktion eine Handlungsmöglichkeit geben. Deshalb wird knapp formuliert, fußnotenreiche Erörterungen fehlen. Doch die Lage ist nach Meinung der Initiatoren Zulehner und Halik ernst: »(Papst Franziskus), Ihre pastoralen Initiativen und deren theologische Begründung werden derzeit von einer Gruppe in der Kirche scharf attackiert. Mit diesem Brief bringen wir zum Ausdruck, dass wir für Ihre mutige und theologisch wohlbegründete Amtsführung dankbar sind.«

Wird die Initiative vom Papst wahrgenommen? »Ja, so ist zu vermuten« beantwortet Pater Bernd Hagenkord, Jesuit und Leiter der deutschsprachigen Abteilung in Radio Vatikan die Frage. Auch die von Publik-Forum befragten Journalisten in Rom, die über die Kirche berichten, nicken. Doch sie machen keine große Sache daraus. Weshalb? Konservative Katholiken und traditionalistische Aktivisten aus Nord- und Südamerika haben schon vor längerer Zeit weitaus größere Unterschriftenzahlen gegen Franziskus und seinen Kurs in Sachen Ehe und Familie vorgelegt. Da muss noch mehr kommen aus Wien! In dieser Haltung warten viele einfach erstmal ab.

Doch dem von Konservativen attackierten Papst Franziskus nützt die Initiative von Zulehner und Halik, die Tag für Tag um mehr als zweitausend Unterzeichnende wächst, durchaus.

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Inhaltlich zielt die Attacke der Konservativen im Vatikan »in der Hauptsache« auf die Fußnote 352 im nachsynodalen Schreiben von Franziskus mit dem Titel »Amoris Laetitia«. Denn in dieser Fußnote ebnet der Papst in – vielen, sehr vielen – »Einzelfällen« den Weg, dass geschiedene und erneut verheiratete Katholiken wieder zur Kommunion gehen können.

Doch der Honeymoon zwischen den Medien und Franziskus, der ganz erstaunlich lange hielt, scheint zu Ende zu gehen. Viele Medien – wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder die New York Times – geben nun den Papstkritikern Vorfahrt. Und auch, wenn es nichts Außergewöhnliches ist, dass ein progressiver Papst mit einem globalen Proteststurm kirchlicher Rechter konfrontiert wird, so wirft dieser Medienwechsel doch ein Schlaglicht darauf, wie konfliktiv die Lage in Rom ist. Um so bemerkenswerter, dass Franziskus keine Signale sendet, die den Öffnungskurs der Kirche unter seiner Führung zurücknähmen.

Wie geht es weiter? Nahezu völlig ohne Apparat sammelt die Wiener Initiative Tag für Tag weiter Sympathisanten. Am 9. November unterschrieb der erste deutsche Weihbischof, Matthäus Karrer aus Rottenburg-Stuttgart. Und neben Schwester Lea Ackermann, Pierre Stutz, dem Grünen-Politiker Volker Beck, Publik-Forum-Herausgeber Wolfgang Thierse und Thomas Sternberg, dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ist auch der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer Unterzeichner.

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Paul Röhrig
13.11.201718:32
Ich als unregistrierter Katholik warte schon lange darauf, daß sich Kirche mehr der grossen Masse der nichtbeachteten Mitglieder zuwendet und auf deren Nöte wie Wiederheirat und Armut weltweit und Ausbeutung durch Grosskonzerne eingeht.
Ausserdem ist es an der Zeit, dass die Betonköpfe und rechtskonservativen Bischöfe und Sonstigen Führungskräfte von ihren Positionen entfernt werden. Deshalb sollte dieser Papst jegliche Unterstützung bekommen, die es ihm ermöglicht, sein Werk fortzusetzen.
Franz Gerhard
13.11.201715:42
Wenn schon unsere Bischöfe und Amtsträger, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zu ängstlich und feige sind, öffentlich kund zu tun, für welchen Kurs sie in der Kirche stehen, dann sollten wenigstens die "einfachen" Katholiken Flagge zeigen und durch ihre Unterschrift Papst Franziskus den Rücken stärken. Was sind schon 50.000 Unterschriften bei über 23 Millionen Katholiken - allein in Deutschland!
Paul Haverkamp
11.11.201718:52
Die inhaltlichen Ausführungen des Artikels möchte ich dahingehend ergänzen, dass es auch Katholiken gibt, die deshalb eine Unterstützung des Zulehner-Aufrufs verweigern, weil der Papst nicht „geliefert“ hat. Es handelt sich genau um jenen Kreis, der seit Jahrzehnten Reformen einfordert, aber immer wieder hat man diese Katholiken gegen die Wand rennen und sich eine blutige Stirn holen lassen. Die meisten haben sich mittlerweile in die innere Emigration verabschiedet.
Dieser Kreis von Katholiken ist weit entfernt von der Haltung der Dubia-Kardinäle, die ausschließlich in einem rückwärtsgewandten Kurs die Zukunft der katholischen Kirche sehen.
Am 4. Oktober 2015 formulierte der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf in Publik Forum: „Der Papst muss liefern“. Im Umkehrschluss heißt das doch: Dieser Papst hat bisher keinerlei substantielle Beweise dafür geliefert, dass er gewillt und in der Lage ist, nachhaltig(!) das „Zukunftsprogramm“ des 2. Vatikanums zu realisieren.
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