Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Die Optimistin

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 20.12.2019
Aufgefallen: Ihsan Fagiri kämpft für Frauenrechte im Sudan. Mehrfach war die Ärztin deshalb schon im Gefängnis. Unterkriegen lässt sie sich nicht

Abgebrüht klingt Ihsan Fagiri, wenn sie von ihren Tagen, Wochen und Monaten in sudanesischen Gefängnissen erzählt. In den vergangenen Jahrzehnten, in denen sich die 65-Jährige für die Rechte von Frauen stark machte, wurde sie immer wieder verhaftet, weil sie sich an das Tabuthema »Vergewaltigung als Kriegswaffe« herantraut; weil sie dagegen protestiert, dass Frauen im Sudan ausgepeitscht werden, wenn sie Hosen tragen; weil sie sich gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen einsetzt, Aktivistinnen bei Gerichtsverfahren unterstützt und Frauen in Seminaren über ihre Rechte informiert. Vor zehn Jahren gründete die Muslima die Organisation »No to Women’s Oppression«.

Das letzte Mal wurde sie im Dezember 2018 eingesperrt: Zweieinhalb Monate saß sie mit neun anderen Frauen in einer 18 Quadratmeter-Zelle, »ohne Fenster, ohne Kaffee, mit schlechtem Essen und einer einzigen Toilette für 48 Frauen«. Doch die dreißig Jahre währende Diktatur sei schlimmer gewesen, sagt sie. Fagiri war eine zentrale Figur im friedlichen Widerstand gegen Diktator Omar Al-Baschir. »Dass er jetzt im Gefängnis sitzt, ist auch ihrem unerschütterlichen Einsatz zu verdanken«, sagt Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker, auf deren Bestreben hin Ihsan Fagiri derzeit in Deutschland ist. Am 10. Dezember hat sie den Menschenrechtspreis der Stadt Weimar verliehen bekommen.

Aufgewachsen ist Ihsan Fagiri als eines von acht Kindern in der Stadt Omdurman, am Zusammenfluss des Blauen und des Weißen Nils. Sie entstammt einer Familie der Mittelklasse, der Vater war Schneider, die Mutter Hausfrau. Auf Bildung haben die muslimischen Eltern großen Wert gelegt. Nach der Schule hat Fagiri in Prag Medizin studiert, danach in ihrer Heimat als Ärztin gearbeitet. Später lebte sie drei Jahre in Kanada, bevor sie 2006 in den Sudan zurückkehrte. »Ich hatte das Gefühl, die Frauen im Sudan brauchen mich jetzt«, erklärt sie.

Fagiri ist Mutter zweier Söhne, der jüngste, der 15-jährige Hamoudi, hat das Down-Syndrom. Ihr Ehemann lebt in Großbritannien, genauso wie ihr ältester Sohn Rachid. Ihre Nichte unterstützt sie mit der Betreuung von Hamoudi.

Auf die Frage, wie sie die Zukunft des Sudan sehe, sagt sie, sie sei »sehr optimistisch«, mit einem langgezogenen »sehr«. Zwar würde Saudi-Arabien versuchen, »unsere Revolution zu zerstören«, aber: »Die Menschen im Suda

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen