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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2019
Respekt. Vertrauen. Versöhnung
Was der Mensch zum Leben braucht
Der Inhalt:

Der Lehrer des Papstes

von Thomas Seiterich vom 20.12.2019
in Memoriam: Juan Carlos Scannone

Er trug Grau und war ein bescheidener Mann: der argentinische Theologe Juan Carlos Scannone. Als einziger Sohn einer italienischen Einwandererfamilie trat er bereits mit 18 Jahren dem Jesuitenorden bei. Mit dem jungen Jorge Bergoglio wohnte er zehn Jahre lang in einer Jesuiten-WG in Buenos Aires. Wie kaum ein Zweiter war Scannone, der im Alter von 88 Jahren starb, der theologische Lehrer des heutigen Papstes. Die speziell argentinische Befreiungstheologie, wie sie Scannone und Lucio Gera entfalteten, unterscheidet sich von der wortmächtigen, linken Befreiungstheologie in Brasilien, Mexiko oder Peru. Sie thematisiert weniger den Klassenkampf, sondern stellt vielmehr die soziale Frage unter volkskulturellen Gesichtspunkten in den Mittelpunkt. Dazu bedient sie sich klassischer Frömmigkeitsformen, wie etwa der erfolgreichen Wiederbelebung einer jährlichen Wallfahrt von Buenos Aires in den Marienwallfahrtsort Luján. Scannone setzte auf die Kulturen der einfachen Leute, auf ihren praktischen Sinn für tätige Hilfe und Solidarität.

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