Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Predigten und Geschäfte

von Bernhard Rieger vom 04.05.2012
Die katholische Kirche und ihr Weltbild-Konzern. Gastkommentar eines Insiders

Weltbild ist in die Schlagzeilen geraten. Gegenstand der Diskussion waren vor allem als »unkirchlich« und »unmoralisch« bezeichnete Sortimentsbestandteile, also Erotik. Man dürfe nicht während der Woche dem zuwider handeln, was man an Sonntagen predige, wurde gesagt. Deshalb haben die katholischen Bischöfe entschieden: Der Weltbild-Konzern wird verkauft.

Das eigentlich Anstößige, Unchristliche, Skandalöse ist aber nicht so sehr das »unkirchliche« Sortiment, sondern das tägliche Geschäft in den Läden von Weltbild.

Gemeinsam mit dem Buchhandelsunternehmen Hugendubel war unter dem Namen Weltbildplus zunächst ein am Discounterprinzip orientiertes und mittlerweile stark verzweigtes Filialnetz errichtet worden; später kam Jokers-Restseller hinzu. Schließlich kaufte Weltbild sich zu fünfzig Prozent bei Hugendubel ein und integrierte weitere regionale Filialketten in eine neu geschaffene Finanzholding. Unter sehr hohem Kapitaleinsatz startete ein aggressiv geführter Wettkampf gegen den Konkurrenten Thalia (Douglas-Konzern) um die Marktführerschaft im Buchhandel.

Diese Phase der ungehemmten Expansion wurde jäh gestoppt, und »über Nacht« begann ein (noch nicht beendeter) radikaler Rückbau des Ladengeschäfts. Filialschließungen und Entlassungen im großen Stil waren an der Tagesordnung. Als zukunftsweisend wurde das sogenannte Multichanneling proklamiert: Der Online-Verkauf soll künftig einen Großteil des bisherigen Filialgeschäfts übernehmen. Hauptleidtragende dieser sehr unchristlichen Unternehmenspolitik sind die Beschäftigten; Hunderte landeten auf der Straße; die Arbeitsbedingungen für die in den Filialen verbliebenen Angestellten verschlechterten sich radikal. Besonders schutzlos ist das Personal in den weitgehend betriebsratslosen Weltbildplus- und Jokers-Läden. Die Bischöfe tragen Verantwortung dafür, dass ein äußerst lukratives kirchliches Milliarden-Unternehmen einen extremen Verdrängungswettbewerb im Buchhandel initiierte – und dafür, dass sich im deutschen Buchhandelsnetz die Discount-Unkultur durchsetzte.

Wie kann es angesichts des bischöflichen Verkaufsbeschlusses weitergehen? Aus der Belegschaft kommt der Vorschlag, die Verkaufssumme solle einer gemeinnützigen V

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen