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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Gestrandete Sehnsucht

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Malta, winzig und traditionell christlich, ist der südlichste Vorposten Europas gegenüber den Boat People aus Afrika. Da die EU engherzig mauert, wird die Insel für viele Flüchtlinge zur Endstation

Das Flüchtlingslager Hal Far findet sich in keinem der bunten Malta-Reiseführer. Hal Far ist ein elender Ort, vor Zeiten einmal eine britische Bomberbasis, heute eine Aufbewahrungseinrichtung für Menschen; hoch eingezäunt, am abgelegenen Ende der Flugpiste des Malta International Airport. Deji Rotimi, ein junger Flüchtling aus Nigeria, steht auf dem rissigen Betonhof. »Meine Frau und ich, wir waren sieben Jahre in Libyen und haben dort ganz gut gelebt, als Putzfrau und Tischler«, sagt Deji. Doch dann kam der Krieg gegen Gaddafi. »Hat bei der Nato jemals irgendeiner daran gedacht, wie er uns Schwarze retten könnte, als die libyschen Revolutionäre Menschenjagd auf uns machten?«, fragt der niedergeschlagene Mann. Als in Libyen das Morden losging, floh Deji mit seiner Frau Omotola von Misrata nach Douara. Von dort startete bei Nacht das Boot. Sie rannten durch den Bombenhagel zum Strand. Auf See waren sie fünf Tage – doch nur mit zwei, drei Tagen hatten sie gerechnet. »Die Überfahrt war schrecklich, denn im Winter ist das Mittelmeer ein tödliches Meer. Es ging für uns um Leben und Tod – keine Zeit, auf eine Überfahrt bei gutem Wetter zu warten.«

Nato-Kriegsschiffe und -Hubschrauber haben die dicht gedrängten 400 Afrikaner gesehen. Doch sie hatten sämtlich anderes zu tun, als den Bootsflüchtlingen aus dem Libyenkrieg zu helfen, als deren »Kapitän« ein in der Seefahrt ungeübter ghanaischer Flüchtling fungierte, der auf hoher See die Orientierung verlor. »Am Ende, kurz vor dem Sterben, hat uns Maltas Marine gerettet, nachdem wir hilflos im Sturm trieben, weil der Motor kaputt war und die Ersten dabei waren zu verdursten.«

Deji und Omotola erwarten ihr erstes Kind. Ihre Not ist ähnlich drängend wie die von Maria und Josef, über die das Evangelium zu Weihnachten berichtet. Das Ehepaar bittet in seine »Wohnung«. Die liegt in der Ecke eines grauen Stahlcontainers. Fünf Quadratmeter groß und vollgestopft mit ein paar Habseligkeiten ist das Zimmer des Yoruba-Ehepaars aus Nigeria. Sorgen quälen Deji und Omotola: »Die vielen Ratten, die fette Schlange im Buschwerk am Kinderspielplatz, die unhygienischen Klos – ich weiß nicht, ob unser Kind im Camp Hal Far gesund aufwachsen kann«, klagt Deji. Der Mann hat Tränen in der Stimme. »Wir haben keine Hoffnung hier.« Als er sich gefasst hat, sagt er: »Doch Gott steht uns bei. Z

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