Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

»Zeitbombe in Jerusalem«

von Johannes Zang vom 04.05.2012
König-David-Stadt: Archäologische Grabungen jüdischer Siedler mit dem Ziel, Palästinenser aus Ost-Jerusalem zu vertreiben

Besetztes Ost-Jerusalem, Stadtteil Silwan. Wenn der palästinensische Muslim Abu Jamil nachts um zwei Uhr sein Ohr auf den Fußboden legt, dann hört er sie: jüdische Siedler, die Israels Antikenbehörde helfen wollen, einen Tunnel vom angeblichen Palast König Davids bis zum Tempelberg zu graben. Seit Jahren vernimmt Abu Jamil, wie gegraben wird. Auch auf diese Weise zerstören Israelis die Fundamente eines palästinensischen Staates mit Hauptstadt Ost-Jerusalem.

Mit dem biblischen König David begannen tatsächlich die Schwierigkeiten für die 55 000 Palästinenser im Stadtteil Silwan, nicht einmal hundert Meter von Jerusalems Altstadtmauer entfernt. Als israelische Archäologen behaupteten, sie hätten den Palast von König David gefunden, war es mit der Beschaulichkeit von Silwan im Kidrontal vorbei. Auch wenn das Urteil der jüdischen Archäologen von internationalen Fachkollegen belächelt oder infrage gestellt wurde: Von nationalistisch oder religiös motivierten jüdischen Siedlern wurde es als Auftrag zum Besiedeln aufgefasst. Ähnlich wie in Hebron 500 Siedler inmitten von 170 000 Palästinensern unter großem Sicherheitsaufwand leben, nur um nahe am Grab Abrahams zu sein, so möchten immer mehr jüdisch-fundamentalistische Siedler nahe der angeblichen Davidstadt wohnen.

Bereits 1993 machte Abu Jamil erstmals Bekanntschaft mit Siedlern, als sie behaupteten, er habe ihnen sein Land verkauft und ein entsprechendes Dokument vorlegten. Abu Jamil ging vor Gericht. Am Ende stand das Urteil: »Sein Haus ist sauber«, was übersetzt heißt: Alles in Ordnung. Doch dafür musste der sechsfache Vater 10 000 US-Dollar für Rechtsanwaltskosten hinlegen. Er fragt: »Ist das nicht schlimm, ist das keine Schande?«

Nachbarn und Verwandte von Abu Jamil haben andere leidvolle Erfahrungen hinter sich. Immer wieder sind Palästinenser plötzlich durch die Fußböden ihrer Häuser gebrochen und einige Meter tiefer gestürzt, wo sie sich neben jüdischen Siedlern wiederfanden. Die durchsuchten unterirdisch auf eigene Faust das Erdreich Silwans nach Spuren der Davidstadt. Siedler besetzen Häuser von Palästinensern oder ekeln sie aus ihren eigenen vier Wänden hinaus. Zusätzlich hat die jüdische Stadtverwaltung Land enteignet, Räumungsbefehle angeordnet oder Palästinensern gleich ihr Aufenthaltsrecht widerrufen. Dutzenden von Häusern in Silwans Al-Bustan-Wohnviertel droht der Abriss, da die Stadt einen »Biblisch-arch

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen