Gestrandete Sehnsucht
Das Flüchtlingslager Hal Far findet sich in keinem der bunten Malta-Reiseführer. Hal Far ist ein elender Ort, vor Zeiten einmal eine britische Bomberbasis, heute eine Aufbewahrungseinrichtung für Menschen; hoch eingezäunt, am abgelegenen Ende der Flugpiste des Malta International Airport. Deji Rotimi, ein junger Flüchtling aus Nigeria, steht auf dem rissigen Betonhof. »Meine Frau und ich, wir waren sieben Jahre in Libyen und haben dort ganz gut gelebt, als Putzfrau und Tischler«, sagt Deji. Doch dann kam der Krieg gegen Gaddafi. »Hat bei der Nato jemals irgendeiner daran gedacht, wie er uns Schwarze retten könnte, als die libyschen Revolutionäre Menschenjagd auf uns machten?«, fragt der niedergeschlagene Mann. Als in Libyen das Morden losging, floh Deji mit seiner Frau Omotola von Misrata nach Douara. Von dort startete bei Nacht das Boot. Sie rannten durch den Bombenhagel zum Strand. Auf See waren sie fünf Tage – doch nur mit zwei, drei Tagen hatten sie gerechnet. »Die Überfahrt war schrecklich, denn im Winter ist das Mittelmeer ein tödliches Meer. Es ging für uns um Leben und Tod – keine Zeit, auf eine Überfahrt bei gutem Wetter zu warten.«
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