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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Beten und blockieren

von Thomas Klatt vom 04.05.2012
Eine Baptistin als Bürgermeisterin von Dannenberg, ein Pfarrerehepaar als Seelsorger zwischen den Fronten: Christen demonstrieren gegen den Castor-Transport

Rund 150 Frauen und Männer haben es zu den drei Kreuzen mitten im Wald geschafft. Seit 22 Jahren findet hier Sonntag für Sonntag das Gorleben-Gebet statt, Punkt 14 Uhr in Sichtweite des Erkundungsbergwerkes und in unmittelbarer Nähe zum Zwischenlager. Es dürfte mittlerweile die längste christliche Protest-Andacht in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sein. Das Pfarrer-Ehepaar Nadia und Stefan El Karsheh (der Nachname stammt von der Frau, deren Vater palästinensischer Christ ist) beten gemeinsam mit den Demonstranten und sprechen ihnen Gottes Segen zu. »Die Kirche hat sich längst gegen die Kernkraft positioniert. Jetzt ist es wichtig, einen Ort zu bieten, an dem die Menschen während des Castor-Protestes Ruhe und Kraft finden können«, sagt Pfarrer Stefan El Karsheh.

Pfarrer ohne Talar. Während der Andacht tragen die beiden Theologen keinen Talar, sondern wetterfeste Kleidung, darüber eine weiß leuchtende Weste, auf der in schwarzer Schrift »Seelsorge« steht. Sie sind damit Teil der kirchlichen Interventionsteams, die seit Jahren die Castor-Transporte begleiten und versuchen, deeskalierend zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

In diesem Jahr sind gut sechzig Seelsorger beim Castor-Transport im Einsatz, auch, um anschließend Berichte über die Polizeieinsätze zu schreiben – zum Beispiel auf www.evangelisch-im-wendland.de. Damit nehmen die Seelsorger die Aufgabe des kirchlichen Wächteramtes wahr. Die Zeugenaussagen der Pfarrer gelten seit Jahren als besonders objektiv und werden nicht selten auch bei Gerichtsverfahren herangezogen. War der Wasserwerfereinsatz in Metzingen schon Tage, bevor der Castorzug überhaupt Niedersachsen erreicht hatte, gerechtfertigt? Warum wurden keine anderen polizeilichen Mittel eingesetzt? Weshalb wurde den Demonstranten nicht genügend Zeit gelassen, sich bei winterlichem Wetter trocken zurückzuziehen? Warum verweigerte sich der Polizei-Einsatzleiter einem klärenden Gespräch mit den Pfarrern vor Ort? Dass alle Polizisten beim Gorleben-Einsatz weder ein Namensschild noch eine Kennnummer tragen, wird seit Jahren kritisiert. Demonstranten wissen nie, wen sie nach Pfefferspray- und Prügelattacken anzeigen sollen.

Dass es nach dem politischen Atomkonsens nur noch Chaoten und Berufsdemonstranten seien, die nach Gorleben kämen, sehen die kirchlichen Konfliktlotsen nicht. E

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