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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2019
Die Waffen nieder!
Pazifismus in kriegerischen Zeiten. Wie sich Sicherheitspolitik neu denken lässt
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In der Nähstube der Welt

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 08.11.2019
Wer auf dem Etikett eines T-Shirts »made in Bangladesh« liest, denkt an furchtbare Arbeitsbedingungen und miserable Sicherheitsstandards. Doch die Textilindustrie in Bangladesch hat sich gewandelt

Eine mehrspurige Straße in Sabhar, etwa 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka in Bangladesch: Das Geklingel der Fahrradrikschas mischt sich mit dem Hupen von Autos, Bussen und Mofas. Reifen quietschen, Menschen bahnen sich ihren Weg durch das Verkehrschaos. Am Straßenrand machen Arbeiter an kleinen Garküchen Pause. Kaum etwas erinnert daran, dass hier vor sechs Jahren das Rana-Plaza-Gebäude einstürzte, das mehr als 3000 Menschen unter sich begrub. 1135 Männer und Frauen starben bei dem Unglück, ein Großteil von ihnen Textilarbeiterinnen. Dort, wo einst die Fabrik stand, die auch für westliche Modemarken produzierte, klafft heute eine große Lücke zwischen den Häuserfronten der Nachbargebäude. Linke Studenten haben zum Gedenken an die Opfer ein Denkmal aufgestellt. Davor steht die 45-jährige Moksuda. Menschen hasten an ihr vorbei, sie aber steht ganz still, das Gesicht von Gram gezeichnet. Am 24. April 2013 starb hier ihr 18-jähriger Sohn. Moksuda kommt fast jeden Tag an diesen Ort, sagt sie. Um zu erinnern. Zu beten. Und andere Hinterbliebene zu treffen.

Es sind solche Bilder, die viele Deutsche im Kopf haben, wenn sie an die Textilindustrie in Bangladesch denken. Inzwischen sei alles ganz anders, beteuern Fabrikbesitzer vor Ort. Heute seien die Standards bedeutend höher, versichern auch Gewerkschaftler. Es habe sich viel zum Positiven verändert, sagen unisono Arbeiterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), bangladeschische Beamte, Mitarbeiterinnen der Deutschen Botschaft in Dhaka, Experten der Internationalen Arbeitsorganisation. Aber stimmt das auch?

Fest steht: Es gibt immer noch Missstände. Tausende protestieren gegen einen zu geringen Lohn oder zu lange Arbeitszeiten; nicht überall dürfen sie Gewerkschaften gründen, die Zusammenarbeit mit Subunternehmern erschwert die Transparenz. Hinzu kommt: Vier Millionen Menschen arbeiten im Textilsektor Bangladeschs; siebzig Prozent von ihnen Frauen. Etwa 4000 Textilfabriken produzieren für den Export. Bei diesen Größenordnungen ist eine lückenlose Überprüfung unmöglich.

Fest steht aber auch: Die Standards wurden in den vergangenen Jahren massiv angehoben. Textilfabriken werden regelmäßig überprüft, auch weil sich internationale Modemarken mit lokalen Gewerkschaften und NGOs zusammengeschlossen haben. Hunderte Fabriken wurden aufgrund v

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