Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Unterschreiben für den Papst

Eine Online-Petition will Franziskus bestärken. Steht es so schlimm um ihn?

Wenn Katholiken dem Papst versichern, dass sie dankbar für seine »mutige und theologisch wohl begründete Amtsführung« sind, und ihn zugleich per Unterschrift bitten, von seinem »eingeschlagenen Weg nicht abzuweichen«, hat dies – wie man im Badischen sagt – ein »Gschmäckle«. In solchen Formulierungen mischen sich huldvolle Ergebenheitsadressen mit kirchenpolitischem Interesse. Es klingt wie Einflüsterung bei Hofe.

Dennoch haben die von dem Wiener Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner (vgl. Interview S. 9) und dem Prager Religionsphilosophen Tomas Halik verfasste Online-Petition allein in einer Woche (bis zum Redaktionsschluss) mehr als 23 000 Personen unterzeichnet. Darunter viele angesehene und kritisch-nachdenkliche Katholiken, die über den Verdacht der Schmeichelei und Strippenzieherei erhaben sind. Das lässt aufhorchen. Denn es zeigt, dass die Gräben in der Kirche tiefer sind als vermutet. Man kann die Kleingruppe der reaktionären Altkardinäle, die dem Papst kaum verschlüsselt Irrglauben (Häresie) vorwerfen, getrost als Altherrengezänk abtun. Aber man muss zur Kenntnis nehmen, dass ganze Bischofskonferenzen in Osteuropa, aber auch in anderen Weltgegenden in zentralen Fragen dieses Pontifikats – etwa bei den Korrekturen der Ehelehre oder in der Haltung zu Flüchtlingen – dem Papst nur widerwillig folgen. In rechtskatholischen Internetforen wird er gerne ein sturer Populist genannt, der sich nicht dreinreden lasse. Darin spiegelt sich auch die Enttäuschung über den Machtverlust der konservativen Einflüsterer.

Der Öffnungskurs des Papstes hat sich bisher kaum in Gesetzen niedergeschlagen. Franziskus steht unter Druck. In dieser Situation kann es sinnvoll sein, wenn auch jene sich melden, die s