Wladimir Putins Geschichtspolitik
Erinnerung als Waffe
Mitunter vertreiben sich Wehrpflichtige die Zeit mit purem Blödsinn, auch in Russland. Am 6. Januar 2022 kehrte David Agaragimow mit seinen Kameraden Amirchan und Anwar Gassandibrow in der südrussischen Siedlung Molkino von der Kantine in die Unterkunft der 10. Spezialeinheiten-Brigade des Militärnachrichtendienstes GRU zurück. Auf ihrem Weg kamen sie am »Denkmal für die gefallenen Angehörigen der Spezialeinheiten« vorbei, das an die Verluste der Brigade im Krieg mit Georgien 2008 erinnert. Das Denkmal zeigt zwei Soldaten: einen kniend, den anderen stehend. »Nur zum Spaß« beschloss der 18-jährige Agaragimow, beim Vorbeigehen ein paar Kampftechniken an den Statuen auszuführen: Er ohrfeigte die stehende Statue, nahm beide Figuren in den Würgegriff und verpasste ihnen jeweils einen Fußtritt.
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Paul Katzenberger ist Korrespondent für Russland und das Baltikum beim RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

