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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Vorhang zu und alle Fragen offen

von Thomas Seiterich, Michael Schrom vom 05.10.2018
Nach der Herbstvollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda: Was jetzt ansteht

Selten hat man Bischöfe so zerknirscht gesehen. Kardinal Rainer Maria Woelki verzichtete auf seine Predigt zugunsten eines Bußschweigens. Kardinal Reinhard Marx bekannte mehrfach: »Ich schäme mich.« Zurücktreten aber wollte niemand, auch wenn das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch Kleriker die schlimmsten Befürchtungen übertroffen hat (vgl. Publik-Forum 18/2018, S. 34) und davon auszugehen ist, dass es noch weit mehr Fälle gibt, weil einige Bistümer die Zusammenarbeit mit den Forschern hintertrieben haben.

Ist diesem Führungspersonal zuzutrauen, dass es die systemischen Fragen ernsthaft angeht, die ihm die Wissenschaftler ins Stammbuch geschrieben haben? Oder wird man die Konferenz in Fulda rückblickend einmal als folgenlose Absichtserklärung unter dem Begriff der Reue-Routine abheften müssen? Die Glaubwürdigkeit der Bischöfe ist schwer angeschlagen. Und das ist noch milde formuliert. Dennoch klingt ihre Abschlusserklärung immer noch wie ein weichgespültes Schonprogramm für die Institution, voller Floskeln und vager Absichtserklärungen. »Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus Verantwortung institutionell für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat.« Das weiß man schon längst. Es sind die Bischöfe und die Personalverantwortlichen in den Diözesen! Wer sonst?

Oder: »Die Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester und nach verschiedenen Aspekten der katholischen Sexualmoral werden wir unter Beteiligung von Fachleuten verschiedener Disziplinen in einem transparenten Gesprächsprozess erörtern.« Man fragt sich: Mit wem? Mit welchem Ziel? Wird dabei Eugen Drewermanns Streitschrift »Kleriker. Psychogramm eines Ideals« von 1983 neu gelesen, der nicht zuletzt deswegen seine Lehrbefugnis verlor? Zu hoffen wäre es. Der Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller, langjähriger Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach, bringt es auf den Punkt: »Wir müssen nicht noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag weiter erörtern, inwieweit die Sexuallehre der Kirche, das Pflichtzölibat, die negative Einstellung zur Homosexualität eine Rolle spielen beim sexuellen Missbrauch von Priestern.« Das, was jetzt die Missbrauchsstudie an systemischer Kritik formuliert, weiß man mindestens seit zwanzig Jahren. Bemerkenswert auch: Das Wort »Frau« kommt in der Abschlusserklärung nicht einmal vor, obwohl es auf der Hand liegen würde, einmal da

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