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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2018
Gottverlassen
Findet die katholische Kirche aus ihrer selbstverschuldeten Misere?
Der Inhalt:

Die verflixte Frage nach dem Ausweis

Wie leben schwarze Deutsche in einer Zeit, in der sie häufig als Flüchtlinge abgestempelt werden? Einblicke in den Alltag von Afrodeutschen

Es passiert mitten in Berlin: In einem Ministerium, ausgerechnet in der Abteilung für internationale Angelegenheiten, beugt sich ein Abteilungsleiter über seinen Mitarbeiter, der schwarz ist. Er greift ihm in die Haare und fragt: »Sind die echt?« Diese Situation schildert der betroffene Politikwissenschaftler auf Zeit online. Er schildert auch, wie der Vorgesetzte sich seinen Namen partout nicht merken kann. Und wie es ist, wegen seiner Hautfarbe am Eingang des Bundestags für den Caterer gehalten zu werden.

Die Erfahrungen, die schwarze Deutsche mit Rassismus machen, sind seit der #MeTwo-Debatte stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Journalistin Nana Gerritzen beschreibt, wie es ist, im Alltag ständig daran erinnert zu werden, dass sie anders aussieht als die Mehrheit. »Wenn ich im Zug in der ersten Klasse sitze, nimmt das Bahnpersonal automatisch an, ich hätte mich im Waggon geirrt. Und seit ich Mutter bin, werde ich häufig für das Kindermädchen meiner hellhäutigen Tochter gehalten.«

Vorfälle wie diese geschehen in Deutschland jeden Tag. Lange Zeit schien das außer den Betroffenen niemanden zu interessieren. Die Erfahrungen schwarzer Deutscher werden weitestgehend ignoriert. Dabei sind sie schon lange ein Teil der deutschen Gesellschaft. Ihre Wurzeln liegen in Afrika oder in den USA, in Frankreich, Lateinamerika oder in der Karibik. Niemand weiß, wie viele schwarze Deutsche hierzulande leben. Schätzungen zufolge sind es rund eine Million Menschen. Die Gruppe ist sehr heterogen, auch das wird oft ignoriert. Zwischen zugewanderten Schwarzen und schwarzen Deutschen wird kaum unterschieden. Viele Afrodeutsche werden erst einmal für Geflüchtete gehalten.

Deutsche mit dunkler Hautfarbe schreiben von sich meist als Schwarze Deutsche. »Bezeichnet werden keine biologischen Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten«, erklärt eine von Afrodeutschen gegründete Initiative mit dem Namen »der braune Mob«. Um das deutlich zu machen, plädieren sie dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiß großzuschreiben.

Dass sich dies bislang nicht durchgesetzt hat, liegt auch daran, dass es kaum schwarze Journalisten gibt – und die Ignoranz somit groß ist. Jana Pareigis ist da eine Ausnahme. Die jun

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