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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Schmerz, der nicht vergeht

von Andrea Teupke vom 20.09.2011
Die evangelische Kirche bittet um Verzeihung – und ehemalige Heimkinder sind empört: Erstaunlich ist das nicht

Es war doch gut gemeint: In einem feierlichen Akt wollten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie ehemalige Heimkinder um Verzeihung bitten. »Kirche und Diakonie sind schuldig geworden vor denen, die uns anvertraut waren, und vor Gott«, hieß es in der Erklärung, die der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider verlas. Was in den evangelischen Heimen »an Fehlverhalten geschehen ist, steht deutlich in Widerspruch zu unseren christlichen Überzeugungen«, sagte Schneider in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin.

Fehlverhalten? Verharmlosender kann man das kaum bezeichnen, was drei Jahrzehnte lang unter der Obhut der Kirche und der Aufsicht des Staates in der jungen Bundesrepublik geschah: Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen wurden wegen nichtiger Vorfälle – mitunter schlicht deswegen, weil ihre Eltern nicht verheiratet waren – verschleppt und eingesperrt. Sie mussten Zwangsarbeit leisten, wurden geprügelt und gedemütigt, hatten keinerlei Rechte und nur selten die Chance, eine höhere Schulbildung zu erwerben oder einen qualifizierten Beruf zu erlernen.

Dass ihre Schicksale mittlerweile einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, verdankt sich nicht etwa später Einsicht der zuständigen Institutionen, sondern allein der Recherche eines engagierten Journalisten: 2006 deckte Spiegel-Redakteur Peter Wensierski auf, was allzu lange niemand hatte wissen wollen.

In seinem schockierenden Buch »Schläge im Namen des Herrn« beschrieb er den Horror, der in vielen der – überwiegend kirchlichen – Heimen herrschte: grausame Strafmaßnahmen, brutale Misshandlungen und dabei das Gefühl, den Peinigern völlig hilflos ausgeliefert zu sein. Es gab keine Instanz, an die Heimkinder sich hätten wenden können. Obwohl die Zustände in den Säuglings- und Kinderheimen immer wieder von Fachleuten kritisiert wurden, gab es weder bei den zuständigen Ämtern und Behörden noch in Politik oder Kirche irgendein Unrechtsbewusstsein. Geschämt haben sich allzu lange nicht die Täter, sondern die Opfer.

Insofern ist das öffentliche Schuldbekenntnis von Diakonie und Kirchenleitung ein wichtiger Schritt. Gleichwohl ist der Unmut vieler Betroffener, die von »Relativierung« und »Lippenbekenntnissen« sprechen, verständlich: Zu hal

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