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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Der Wegwerfwahn

vom 20.09.2011
Rund die Hälfte aller Lebensmittel landet weltweit im Müll

Das Ausmaß lässt sich schwer begreifen: Etwa die Hälfte aller Nahrungsmittel wandert Schätzungen zufolge in den Abfall. Allein die Deutschen werfen jedes Jahr bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel weg – das sind 500 000 Lastwagen voll; in einer Reihe würden sie von Berlin bis Peking reichen. In dem neuen Kino-Dokumentarfilm »Taste the waste« und dem dazu erschienenen Buch »Die Essensvernichter« sucht der Regisseur und Journalist Valentin Thurn nach Ursprung und Folgen dieser Verschwendung.

Diese beginnt Thurns Recherchen zufolge nicht erst bei den Konsumenten zu Hause, sondern bereits auf den Feldern: So berichtet im Film ein westfälischer Landwirt, dass er nur etwa die Hälfte seiner Kartoffeln ernten dürfe. Alle, die zu groß oder zu klein oder ungewöhnlich geformt sind, müssten weg. In Supermärkten setzt sich dieser Irrsinn fort: Zu jeder Tages- und Jahreszeit sollen sie den Verbrauchern möglichst viele Waren in großen Mengen und makellosem Zustand offerieren. Die Folge: Frische Lebensmittel enden in der Mülltonne. Von den Herstellern festgelegte Mindesthaltbarkeitsdaten, die letztlich nur Gütegarantien sind und wenig über die eigentliche Verderblichkeit der Waren aussagen, verschärfen den Wegwerfwahn.

Verschwendung von Essen ist Verschwendung wertvoller Ressourcen: »Rund ein Viertel des gesamten Wasserverbrauchs der Erde wird für die Produktion von Lebensmitteln vergeudet, die schließlich vernichtet werden«, schreiben Thurn und Stefan Kreutzberger in ihrem Buch »Die Essensvernichter«. Die Landwirtschaft verursache mehr als ein Drittel aller Treibhausgase, verbrauche Boden, Energie und Dünger und zerstöre Regenwälder. Zudem trage die Essensverschwendung über die globale Nachfrage dazu bei, dass die Weltmarktpreise für Lebensmittel auf einem Höchststand seien. »Das Essen, das wir in Europa wegwerfen, würde zwei Mal reichen, um alle Hungernden der Welt zu ernähren«, konstatieren Kreutzberger und Thurn.

Damit künftig weniger Speisen im Abfall landen, schlagen die Autoren Politik, Wirtschaft und Verbänden eine ganze Palette an Maßnahmen vor: Die reichen von Aufklärungskampagnen, einem Verbot für Nahrungsmittelspekulationen und Landraub über gesetzliche Regelungen und Steuern zur Begrenzung von Überproduktion bis hin zu vernünftigen Verbrauchsangaben. Auch jeder Einzelne könne etwas tun: etwa durch planvolles Einkaufen regionaler und saisonaler Produkte, ric

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