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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2020
Gott der Gegenwart
Was Christen heute zu sagen haben
Der Inhalt:

Tod und Leben am Kolonnenweg

von Georg Magirius vom 20.09.2020
Spiritprotokoll: Ich gehe über den Betonpfad, der einmal am Eisernen Vorhang entlangführte. Heute verläuft hier das Grüne Band, das längste Biotop Europas. Der Himmel ist so weit, dass er für sich selber spricht.
Über den Beton in die Freiheit: Kolonnenweg an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. (Foto: Magirius)
Über den Beton in die Freiheit: Kolonnenweg an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. (Foto: Magirius)

Über das Jahr verteilt reise ich gern zu entlegenen Orten. Immer für einen Tag von Frankfurt aus mit der Bahn, dem Bus und zu Fuß. Ob ich so auch das Grüne Band an der fränkisch-thüringischen Grenze erreiche? Den Weg, der dort entlangführt, wo einmal der Eiserne Vorhang war? Ich will über diese mörderische Grenze gehen.

Dafür muss ich schon in der Nacht losfahren. Und bin bereits am frühen Morgen in Neustadt an der Saale. »Steigen Sie doch bei mir ein!«, sagt der Busfahrer. Gewöhnlich spricht ein Fahrgast den Busfahrer an. Hier ist es offenbar schon mal umgekehrt. »Vier Mal bin ich die Strecke heute schon gefahren, immer allein«, sagt der Mann am Steuer und freut sich offenbar, dass ich jetzt mit dabei bin. Die Dorfstraßen sind so verschachtelt, dass er sein Steuergeschick vorführen kann. Dabei erzählt er so anschaulich von der Gegend, dass ich auf seinen Rat bereits in Irmelshausen aussteige, früher als geplant: »Da gibt es noch Grenztürme.« Entlang der Grenze, sagt der Busfahrer, könne ich beliebig weit gehen. Der Rufbus greife mich dann schon auf. Und er gibt mir die Mobilnummer des Kollegen.

Wo der Eiserne Vorhang einst zwei politische Systeme trennte, markieren heute Bäume die Grenze. Stacheldraht und Selbstschussanlagen sind verschwunden. An den Bäumen entlang verläuft jedoch noch immer der Kolonnenweg, den die Fahrzeuge der Nationalen Volksarmee damals nutzten, um die Anlagen zu sichern und Republikflüchtlingen auf die Spur zu kommen. Auf dem tödlichen Streifen Niemandsland aber, das damals von keiner der beiden Seiten genutzt werden konnte, hat die Natur ungehindert neues Leben entstehen lassen: Das sogenannte »Grüne Band« ist jetzt die längste Biotopkette Europas, fast 1400 Kilometer lang, und

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