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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Gegenkandidatin

Einst sang sie in einer Folk-Band, heute kandidiert sie für das Amt der US-Präsidentin: Die Ärztin und grüne Politikerin Jill Stein will ganz nach oben

Jill Stein, die Präsidentschaftskandidatin der US-Grünen, hat mehr Macht, als die meisten ahnen. Sie könnte zur Gefahr für Hillary Clinton werden und ungewollt zum Erfolg des Republikaners Donald Trump beitragen. Die 66-jährige Ärztin aus Massachusetts wirkt ruhig und gefasst, wenn sie über ihr Wahlprogramm spricht. Inhaltlich will sie so ziemlich alles, was die Kandidaten der großen Parteien nicht wollen: Stein will die Macht der großen Banken brechen. Sie plädiert für die allgemeine Krankenversicherung und eine Umweltpolitik, die den Klimawandel bekämpft und auf erneuerbare Energien setzt.

Stein will eine Rassismus-Diskussion, die Entschädigungen an schwarze Bürger mit einschließt. Sie fordert Schuldenerlass für Amerikas Studenten, will das Militärbudget halbieren, Militärstützpunkte im Ausland schließen, Drohnen abschaffen sowie Militärhilfe für Israel streichen. Innenpolitisch fordert sie, »nicht verfassungskonforme Spionage und Überwachung« müsse eingestellt werden; Whistleblower dürften nicht länger verfolgt werden.

Geboren wurde Jill Stein, die sich als Agnostikerin bezeichnet, 1950 in eine progressiv-jüdische Familie in Chicago. Ihre Vorfahren waren aus Russland in die USA geflohen. Stein studierte Medizin in Harvard und war 25 Jahre als Kinderärztin und Internistin tätig. Nebenbei spielte sie Gitarre und die afrikanische Trommel Djembe und sang in einer Folk-Rock-Band namens Somebody’s Sister vom gebrochenen Versprechen des amerikanischen Traums, des Traums von gleichen Chancen für alle Menschen.

Vor vier Jahren hat die Mutter zweier Söhne schon einmal kandidiert und 470 000 Wähler (0,3 Prozent) gewonnen. Für die US-Grünen könnte 2016 zum Jahr des Durchbruchs werden. Denn mit Clinton und Trump stehen zwei unpopuläre Kandidaten zur Wahl. Das gibt Grünen-Chefin Stein Auftrieb. »Die Menschen sehnen sich nach einer Alternative, und diese Alternative sind wir!«, sagt sie.

In den Meinungsumfragen liegen die Grünen derzeit zwischen drei und fünf Prozent. Das klingt nicht überwältigend, könnte Clinton aber gefährlich werden, wenn es am Ende knapp wird gegen Trump. Denn viele frustrierte Bernie-Sanders-Wähler laufen ins Lager von Jill Stein über, nachdem Sanders im Vorwahlkampf der Demokraten gegen Clinton verlor. »Jill, not Hill«, skandieren sie nun. Die Grünen-Chefin sieht sich als legitime Erbin der »Bernie-B

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