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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Sind Sie ein Antisemit, Herr Duchrow?

Ein Gespräch mit Ulrich Duchrow über seine theologische Kritik an Israel

Publik-Forum: Sind Sie ein Antisemit, Herr Duchrow?

Ulrich Duchrow: Wenn Sie meine Veröffentlichungen, etwa in dem Buch »Religionen für Gerechtigkeit in Palästina-Israel« lesen, werden Sie sehen, dass es mir, den jüdischen und muslimischen Autorinnen und Autoren einzig darum geht, aufzudecken, wo und wie sich Religion mit Macht verbündet. Wir kritisieren Theologien, die sich anpassen an Staats- oder Kapitalmacht und eine Kirchentheologie, die Versöhnung ohne Gerechtigkeit predigt. Wir lesen die Bibel im zeitgeschichtlichen Kontext, um deutlich zu machen, worum es dem biblischen Gott geht: nämlich um Gerechtigkeit und Parteinahme für die Machtlosen, Ausgebeuteten und Schwachen. Darum verwerfen wir jeden Antisemitismus, kritisieren aber gleichzeitig den Staat Israel auf der Basis des Völkerrechts und der Menschenrechte.

Sie schreiben aber: Israel wolle die Palästinenser wegekeln, gettoisieren und profitiere von ihrem Leid. Israels Wirtschaft brauche keinen Frieden, sondern den Krieg gegen den Terror. Das ist zumindest eine sehr einseitige Darstellung.

Duchrow: Es wird immer gesagt, auch Palästinenser tragen Mitschuld an der Situation. Aber es ist ein Unterschied, ob man mit Steinen wirft oder Präzisionsschusswaffen einsetzt. In dieser Situation kirchentheologisch zu sagen: Beide Seiten tun Unrecht und müssen sich bewegen, widerspricht der biblischen Perspektive. Diese spricht von einem Gott, der Recht schafft und einseitige Machtverhältnisse auflöst.

Es gibt aber palästinensische Raketenangriffe, Terroranschläge und Messerattacken.

Duchrow: Das ist