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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Im Namen der Propheten

von Michael Schrom vom 22.06.2018
Der Streit über den evangelischen Theologen Ulrich Duchrow. Ist seine Kritik an Israel antisemitisch?

Festschriften sind normalerweise keine aufregende Lektüre. Die Themen sind oft sehr speziell, der Leserkreis und die Auflage bleiben überschaubar, in den Buchhandel gelangen sie kaum. Auch die 2016 erschienene Festschrift für Wolfgang Gern, dem ehemaligen Vorsitzenden des Diakonischen Werks Hessen und Nassau, teilte dieses Schicksal – bis der Journalist Alan Posener darin über einen Aufsatz des Heidelberger Theologen Ulrich Duchrow stolperte. Er trägt den Titel »Unterdrückung über Ausbeutung hinaus. Das Beispiel Israel/Palästina in theologischer Perspektive« – für Posener ein lupenreines Beispiel für christlichen Antisemitismus. Entsprechend hart fiel Ende Mai die Schlagzeile in der Welt aus: »Mit der Bibel gegen Israel.«

Duchrow, so der Vorwurf, gebe Israelfeinden, die dem jüdischen Staat das Existenzrecht absprechen, theologische Argumente zur Hand. Wenig später zog Volker Beck, langjähriger Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe im Bundestag, in der Zeit nach. Seitdem steht der 83-jährige emeritierte Professor für Systematik aus Heidelberg unter dem Verdacht, ein Antisemit zu sein. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat sich mittlerweile von Duchrows Beitrag »inhaltlich ausdrücklich« distanziert, obwohl er ebenso wie Wolfgang Huber, Margot Käßmann und Ulrich Lilie zu den Mitautoren der Festschrift zählt.

Duchrows Artikel gliedert sich in eine äußerst scharfe, bisweilen polemische politische Analyse und in einen theologischen Teil, der sich mit dem biblischen Motiv der Erwählung und der Vereinnahmung dieses Gedankens durch ultrareligiöse Zionisten und Nationalisten auseinandersetzt.

Die Gründung des Staates Israel 1948, so sieht es Duchrow, war – obwohl durch UN-Beschluss legitimiert – »von Anfang an ein kolonialistisches Projekt«. Es stehe in der »Tradition der Eroberungen in den Gebieten Amerikas, Südafrikas, Neuseelands und Australiens«. Im Fortgang seines Bestehens habe Israel das Unrecht der ausbeuterischen und unterdrückerischen Apartheidspolitik Südafrikas übertroffen. Denn seine Intention sei es, »Menschen minderen Rechts« (gemeint sind die Palästinenser) »komplett loszuwerden und die Übrigbleibenden zu gettoisieren wie in Gaza«.

Was würde Amos h

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