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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2016
Schenkt ihnen nicht eure Angst!
Wie rechte Populisten die Gesellschaft spalten
Der Inhalt:

Krieg ist keine Antwort

von Andrea Teupke vom 24.06.2016
Wenn die Politik Terrorismus als Kriegserklärung begreift, haben wir schon verloren

In Paris dringt ein junger Mann ins Privathaus eines Polizisten ein, um ihn und seine Frau vor den Augen des dreijährigen Kindes der beiden umzubringen. In Orlando schlachtet ein junger Mann 49 Menschen in einem Homosexuellen-Club ab.

Es fällt schwer, auf diese Taten anders als mit Abscheu, Hass und Entsetzen zu reagieren. Wer auch nur einen Funken Empathie und Mitgefühl besitzt, ist angesichts solcher Nachrichten bestürzt, vielleicht sogar verzweifelt. Es scheint, als wäre die Welt aus den Fugen geraten, als würde man verurteilt, hilflos Zeuge eines makaberen Wettstreits der Grausamkeiten zu werden.

Genau diese Furcht ist das Ziel der Täter. Denn Terrorismus ist kein neues Phänomen. Diese Geißel der Menschheit ist nicht erst in der Moderne zur Welt gekommen – in der Antike mordeten die so genannten Zeloten, im Mittelalter die Assassinen. Immer wieder in der Geschichte setzten Terroristen auf scheinbar sinnlose Gewalt. Ihre grausamen Taten sollen Angst schüren: Es kann jeden treffen, jederzeit – das ist die Botschaft.

Heute, und das ist das eigentlich Neue, wird diese Botschaft weltweit gehört, dringt tatsächlich in jedes Ohr, jedes Herz. Deshalb war es für Einzelne noch nie einfacher, buchstäblich die ganze Welt in Furcht und Schrecken zu versetzen. Neue Medien jagen die grausigen Bilder in Lichtgeschwindigkeit um den Globus. Was irgendwo geschieht, trifft uns. Alle. Sofort.

Das spielt den Terroristen in die Hände. Ähnlich wie Amokläufer suchen und brauchen sie Aufmerksamkeit, die ihrer Handlung überhaupt erst Sinn verleiht. Und besser als alles andere taugt derzeit das Etikett »IS« dazu, brutale Gewalt aufzuladen und ihr eine ungeheure Bedeutung zu verleihen. Ohne dieses Etikett wäre Omar Mateens Tat als »Hate Crime« oder als Amoklauf eingestuft worden; mit diesem Etikett wirkt sie als Teil eines gewaltigen Plans. »Wer im Namen einer starken und gewaltbereiten Organisation handelt, macht sich größer, als er in Wahrheit ist«, konstatiert die Süddeutsche Zeitung. Die Perspektive, die daraus folgt, ist düster: Wenn immer mehr Terroristen, ähnlich wie Amokläufer, Einzeltäter sind, lassen sich ihre Taten kaum verhindern.

Überwachungssysteme stoßen an ihre Grenzen, wenn es keine verbindenden Strukturen gibt, die sich observieren, unterwandern oder zerschlagen lassen. Kein Geheim

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