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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Von Zachäus bis zum Spitzensteuersatz

Einige werfen dem Kirchentag vor, er habe sich als Wahlkampfbühne für Politiker hergegeben. Was ist da dran?

Er sorgte für Schlagzeilen: Zum Auftakt des Kirchentages stellte Gregor Gysi in der Berliner Zeitung das neueste und prominenteste Mitglied seiner Partei vor: Jesus persönlich. Vermutlich war es nicht ganz einfach, ihn für ein Parteibuch zu gewinnen, weil er »sich nicht binden wollte« und sich »kritisch mit allen möglichen Positionen auseinandergesetzt hat«. Dennoch ist Gysi überzeugt: »Jesus wäre ein kritisches Mitglied unserer Partei.« Die Zeitung meldete: »Jesus wäre heute ein Linker.«

Gysi bekennt von sich, nicht an Gott zu glauben, aber eine gottlose Gesellschaft zu fürchten. Denn als moralische Institutionen seien Kirchen und Religionsgemeinschaften weiterhin wichtig; der Kapitalismus sei schlicht nicht in der Lage, moralische Normen zu erzeugen. Doch das war es dann auch schon in Sachen Schmusekurs. Die Linke und die Kirchen als »ziemlich beste Freunde«? Wohl kaum. Aber mitdiskutieren, das wollten sie schon. Und zwar nicht nur Gysi und seine Genossen: Von Norbert Lammert (CDU) über Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) bis hin zu Bodo Ramelow (Linke) – sie alle gaben sich auf dem Kirchentag die Klinke in die Hand.

Die eine Geschichte über Politiker auf dem Kirchentag gibt es jedoch nicht. Weder die Geschichte, sämtliche Politiker hätten Wahlkampfreden geschwungen, noch die, sie hätten bloß fromm Bibelstellen interpretiert. Es gibt mehrere Geschichten.

Eine davon handelt von Barack Obama und Angela Merkel. Für die Bundeskanzlerin sei ihr Auftritt mit dem Superstar die beste Wahlwerbung überhaupt gewesen, beklagen Kritiker wie der SPD-Politiker und Publik-Forum-Herausgeber Wolfgang Thierse. »Man muss den Kirchentag nicht aufwerten wollen dadurch, dass man einen der prominentesten Menschen der Welt einlädt und daraus dann noch eine Wahlkampfveranstaltung für Angela Merkel macht«, monierte er. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au konterte, es gehe nicht um Parteipolitik, sondern um Debatten »mit meinungsbildenden Persönlichkeiten über die Verantwortung von Christen für die Welt«.

Eigentlich wollte das Kirchentagspräsidium Obama als Prediger für den Abschlussgottesdienst in Wittenberg gewinnen. Das habe »aus terminlichen Gründen nicht geklappt«, so

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