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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2017
»Überall schwindet das Vertrauen«
Norbert Lammert über Medien, Demokratie und Kirche
Der Inhalt:

Draußen vor der Stadt, drinnen in der Messe

Zwei Veranstaltungen über die Lage im Heiligen Land. Eine wird ausgegrenzt und muss am Stadtrand stattfinden. Warum?

Weit draußen im Nordosten Berlins, eine Dreiviertelstunde mit der S-Bahn von den Schauplätzen der großen Veranstaltungen entfernt, musste der Thementag Palästina – Israel stattfinden. Die Engagierten des ökumenischen Netzwerks Kairos Palästina, das auf den Bethlehemer Pastor Mitri Raheb zurückgeht, waren im offiziellen Programm nicht erwünscht. Als ihnen auch noch die Katholische Akademie kurzfristig den Mietvertrag für das zunächst zugesagte, zentral gelegene Tagungszentrum aufkündigte, sprang das Evangelische Gemeindezentrum Marzahn-Nord ein und gewährte Gastrecht. Wer sind diese Ausgegrenzten des Kirchentags? Zu ihnen zählen der frühere Generalsekretär des Genfer Weltkirchenrates, Konrad Raiser, der Theologieprofessor Ulrich Duchrow, pazifistische Netzwerker wie Christoph Rinneberg, Gisela Sibourg, Martin Breidert oder der Pax-Christi-Mann Marius Stark.

In Marzahn sprechen zum Beispiel Gideon Levy aus Israel und Varsen Aghabekian aus Palästina über die seelischen Zerstörungen, die der »ewige« Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern auslöst. Und Shir Hever, ein junger jüdischer Wirtschaftswissenschaftler, erklärt, wer von Israels illegaler Siedlungspolitik am meisten profiert: die nationale Rüstungs- und Sicherheitsindustrie.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden ist hoch; es sind eingefleischte Nahost-Friedensfreunde, die den Thementag am Stadtrand besuchen. Bei der Eröffnung üben die Veranstalter harsche Kritik an Berlins Kirchenleitung, die bis zuletzt versucht habe, die Veranstaltung zu verhindern. Wer teilnahm, fragte sich anschließend, warum eigentlich.

Wieso hat der offizielle Kirchentag nicht einfach mit ihnen kooperiert? Alles Zufall, nichts sei Absicht, es habe schlicht keinen Kontakt gegeben, heißt es aus der Pressestelle des Kirchentags. »Wir haben sie nicht eingeladen und sie sind nicht auf uns zugekommen.« »Falsch!«, sagt Martin Breidert. Ihm zufolge ist das Kairos-Netzwerk mehrfach an Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Kirchentags, und an die theologische Leitung herangetreten. Deren Begründung für die Ausgrenzung sei gewesen: »Wir haben selbst eine Veranstaltung zu dem Thema.«

Und tatsächlich: Auf dem offiziellen Kirchentag diskutiert die angesehene israelische Soziologin Eva Illouz unter der Überschrift »Siebzig Jahre Teilungsplan, fünfzig Jahr

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